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YOUCAT: Geschmeidig, gelb und glasklar

19 April 2011

Katholische Kirche landet Bestseller mit dem neuen Jugendkathechismus

YOUCAT: Die neue Jugendkatechismus der Katholischen Kirche

YOUCAT: Die neue Jugendkatechismus der Katholischen Kirche

Fast unhörbar hat sich der YOUCAT angeschlichen. Am Palmsonntag wurde der neue Weltjugendkathechismus in Rom dem Papst von Jugendlichen auf dem Petersplatz übergeben. Gerade erschienen, stürmt er bereits die Gipfel der Bestsellerlisten. Der Stern notierte ihn bereits in der vergangenen Woche auf Platz drei. Zur Erstpräsentation lag er in fünf Sprachen vor und soll zum katholischen Weltjugendtag in Madrid mit einer Neuauflage von 700000 Exemplaren die junge Generation aus aller Welt in über 15 Sprachen erreichen.
Wie das Werk zustande kam, ist durchaus bemerkenswert. Und für katholische Verhältnisse nahezu unglaublich. Dabei braucht man nicht einmal katholisch sein, um zu wissen, wie langwierig und häufig mit geringem Erfolg gesegnet, die Arbeit in kirchlichen Grundsatzkommissionen sein kann. Beim YOUCAT war es anders. Aus der Initiative von zwei Laien und mit der Unterstützung durch zwei Priester ist 2006 im Verborgenen ein Prozess angestoßen worden, der vor wenigen Monaten mit der Approbation des YOUCAT durch Papst Benedikt seinen innerkirchlichen Durchbruch schaffte.
Der Münchner Autor und Verleger Bernhard Meuser hatte es seit langem auf dem Herzen, ein Instrument zur Neuevangelisation der Jugendlichen zu schaffen. Gemeinsam mit Michaela Heereman, Religionslehrerin und Mutter von sechs Kindern und in Zusammenarbeit Christian Schmitt, Priester aus Münster und Johannes Eltz, Priester aus Limburg haben sie versucht den Kathechismus der Katholischen Kirche (KKK) in die Sprache der jungen Generation herunter zu brechen. Kein leichtes Unterfangen. Denn aus dem in Form und Gewicht backsteinähnlichen Kathechismus, der auch in seinem sprachlichen und visuellen Aufmachung sperrig bleibt, sollte ein geschmeidiges und einladendes Buch werden, das die Jugend gerne in die Hand nimmt.
„Was ist die Firmung?“, fragt der YOUCAT. „Wenn ein Trainer seinem Fussballspieler auf das Spielfeld schickt, legt er ihm die Hand auf die Schulter und gibt ihm letzte Anweisungen. So kann man auch die Firmung verstehen.“ Und was sagt der YOUCAT zum Thema Gottesdienstbesuch? „Eigentlich ist „Sonntagspflicht“ für einen echten Christen ein ebenso unpassendes Wort wie „Kusspflicht“ für einen richtig verliebten. Niemand kann eine lebendige Beziehung zu Christus haben, wenn er nicht dorthin geht, wo er auf uns wartet.“ Die Sprache ist klar und einfach, weil eine Gruppe von 50 Jugendlichen in mehreren Literatur-Camps die Autorenvorlage revidiert hat und ihre Formulierungen den Text mit gestaltet haben. Insbesondere in den Fragen der konkreten Lebensbezüge ist der YOUCAT eine lohnende Ressource für Christen aller Konfessionen. Er nimmt die heiklen Fragen nach Lebensführung und Sexualität, Armut und Globalisierung kurz und knapp auf und antwortet glasklar. Das Kirchenverständnis bleibt katholisch, aber ohne den Riss zwischen den Konfessionen zu strapazieren.
Auch als App für das iphone ist der YOUCAT inzwischen verfügbar, gemäß der einleitenden Empfehlung von Papst Benedikt: Studiert den Kathechismus. Lest ihn zu zweit, bildet Lerngruppen und Netzwerke, tauscht Euch im Internet aus. Ihr müsst im Glauben noch viel tiefer verwurzelt sein als die Generation Eurer Eltern.“ Mit dem neuen YOUCAT hat Rom die Welt überrascht. Und ein bisschen auch sich selbst.

Das Amt trägt die Person!
Das neue Pfarrerdienstrecht auf dem Prüfstand

19 November 2010

[Dieses Interview ist der der Tagespost. Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur unter der Überschrift: „Das Unterscheidungsvermögen für Gut und Böse eingebüßt“ – Update: Das Interview ist nicht mehr auf der Website der Tagespost, 07.01.2011]

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat bei der Verabschiedung des neuen Pfarrerdienstrechts auf der jüngsten Synode in Hannover neben der „Ehe“ den Begriff „familiäres Zusammenleben“ eingeführt und erklärt. Das Pfarrhaus wird damit offiziell für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften im Amt geöffnet. Auch die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern will das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Partner im Pfarrhaus erleichtern. Regina Einig befragte dazu den Prior der Offensive Junger Christen (OJC), einer ökumenischen Kommunität in der EKD, und promovierten Philosophen Dominik Klenk.

Wie bewerten Sie das neue Pfarrerdienstrecht mit Blick auf die Ökumene?
Problematisch. Zuallererst muss aber einmal gesagt werden, dass der Versuch der EKD, ein einheitliches Pfarrerdienstrecht herzustellen, sinnvoll ist. Und in den pragmatisch beschreibenden Teilen ist dieser Versuch durchaus gelungen. Leider hat man im Kern der Ausführungen versagt: Dort, wo es um das Pfarrerbild und damit um das Menschenbild geht, dort, wo Amts- und Lebensführung im Zentrum stehen. Hier muss man feststellen, dass die Homo- und Genderideologie tief ins Innere der Kirche eingedrungen sind. Das zersetzt zwangsläufig den biblisch fundierten Boden, auf dem die Kirche steht. Mit Blick auf die Ökumene bedeutet das vor allem einen massiven Verlust der Glaubwürdigkeit als Gesprächspartner. Was die katholische Kirche angeht, steht diese ja Gott sei Dank in der Lehre von Ehe und Familie glasklar auf dem Boden der Heiligen Schrift. Hier liegen die Herausforderungen etwas anders gelagert: Hier muss die gelebte Praxis in den Pfarrhäusern und Priesterseminaren dringend angeschaut werden. Wo Lehre und Leben auseinanderfallen, leidet die Glaubwürdigkeit genauso.

Gesellschaftspolitisch ist die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften der Türöffner für die Homo-Adoption. Halten Sie eine solche Entwicklung in der EKD für denkbar?
Ja, damit ist zu rechnen, auch wenn das heute jeder empört zurückweist. Wer aber den Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft nicht mehr eindeutig betont, der vernachlässigt zunehmend auch die grundlegende Bedeutung der Geschlechtlichkeit und Leiblichkeit des Menschen. Mit anderen Worten: Wer den Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft nicht mehr kennt, kennt bald den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht mehr. Dann ist es irgendwann auch gleichgültig, ob sich zwei Männer oder zwei Frauen oder aber Vater und Mutter um ein Kind kümmern. An keiner Stelle hat die evangelische Kirche bisher gezeigt, dass sie sich mit den zahlreichen soziologischen und sonstigen Daten zu homosexuellen Lebensweisen auseinandergesetzt hat – sonst würde sie die homosexuelle Partnerschaft nicht der Ehe gleichsetzen. Das heißt, sie weiß nicht, dass homosexuelle Partnerschaften viel instabiler sind – was zum Stress von Kindern beiträgt. Sie weiß nicht, dass viele Studien dafür sprechen, dass sexueller Missbrauch von Minderjährigen (insbesondere minderjährigen Jungen) bei homosexuell Lebenden häufiger ist als bei heterosexuell Lebenden.

Welche treibende Kraft sehen Sie hinter dem Beschluss der EKD-Synode? Oder muss man sich den Hintergrund eher als Versuch, durch Anpassung gesellschaftlich zu punkten, vorstellen?
Vernunft kommt von „vernehmen“, aber die postmoderne Kirche vernimmt nichts mehr vom Wort Gottes. Sie entscheidet autonom, was sie glauben will und was nicht. Und sie lebt aus der eigenen Kraft. Aus dieser Haltung des Selberwissens und Selbermachens heraus speist sich offensichtlich die Vorstellung, ein elitehafter Vorreiter einer neuen, besseren Ethik zu sein: Einer Ethik, die angeblich nicht mehr diskriminiert, sondern toleriert und akzeptiert. Sie hat aber dabei das Unterscheidungsvermögen für Gut und Böse eingebüßt. Das ist die Folge, wenn man sich nicht mehr eindeutig an der biblischen Botschaft orientiert. Besonders schmerzhaft ist das deshalb, weil die Kirche der Reformation sich ja in besonderer Weise dem Wort Gottes verpflichtet hat. Sola scriptura – alleine die Schrift, lautete das Credo Martin Luthers. Es ist den Bischöfen der VELKD und einigen aufrechten Pietisten aus Württemberg zu verdanken, dass die EKD im neuen Pfarrerdienstrecht am Begriff der Ehe im Pfarrhaus überhaupt noch festgehalten hat. Es gab starke Kräfte in der Synode, die nur noch von gendergerechten „Lebensformen“ und vom „familiären Zusammenleben“ sprechen wollten.

Die anglikanische Kirche hat mit ihrer Haltung zu homosexuellen Partnerschaften innere Zerreißproben heraufbeschworen. Was hindert die EKD Ihrer Meinung nach daran, aus solchen Erfahrungen zu lernen?
Es gibt in jeder Institution den Dünkel der Erhabenheit, das Gefühl, man stehe über den Dingen und Probleme hätten vor allem die anderen. Das gilt vermutlich auch für Kirchen. Lernfähigkeit bedeutet ja nicht, keine Fehler zu machen, sondern Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Dazu braucht es Demut und den unmissverständlichen Willen zu Entscheidungen auf biblischem Boden unter Erflehung des Heiligen Geistes. Davon ist man in der EKD weit entfernt. Stattdessen haben sich politisch korrekte Interessen Einzelner über den Gremienweg den Einzug ins Pfarrhaus gebahnt. Die Kirche darf aber ihr überindividuelles Amt nicht den Interessen von Individuen ausliefern. Das Amt trägt die Person und nicht umgekehrt. Sonst wedelt der Schwanz mit dem Hund.

Wie schätzen Sie die Stimmung unter jungen Protestanten ein?
Es gibt sicher einen Großteil, die diese Entwicklungen überhaupt nicht wahrnehmen. Sie sind evangelisch, weil ihre Eltern es auch sind. Und es ist inzwischen leider die Regel, dass ein Großteil der Jugendlichen aus dem aktiven Kontakt mit der Kirche hinauskonfirmiert wird. Die Institution EKD hat für junge Menschen so gut wie keine Relevanz. Aber es gibt auch eine neue Bewegung unter jungen Erwachsenen, die mit großer Sehnsucht auf der Suche nach gesellschaftlich relevantem Christsein ist. Menschen, die eine lebendige und persönliche Beziehung zu Jesus Christus suchen und die Welt gestalten wollen. Wo sich persönlicher Glaube auf einem klaren biblischen Fundament mit konkretem gesellschaftlichen Engagement verbindet, wirkt Christsein immer ansteckend und bringt Menschen in ihre Kraft.

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