Beiträge getagged ‘ekd’

Das Amt trägt die Person!
Das neue Pfarrerdienstrecht auf dem Prüfstand

19 November 2010

[Dieses Interview ist der der Tagespost. Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur unter der Überschrift: „Das Unterscheidungsvermögen für Gut und Böse eingebüßt“ – Update: Das Interview ist nicht mehr auf der Website der Tagespost, 07.01.2011]

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat bei der Verabschiedung des neuen Pfarrerdienstrechts auf der jüngsten Synode in Hannover neben der „Ehe“ den Begriff „familiäres Zusammenleben“ eingeführt und erklärt. Das Pfarrhaus wird damit offiziell für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften im Amt geöffnet. Auch die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern will das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Partner im Pfarrhaus erleichtern. Regina Einig befragte dazu den Prior der Offensive Junger Christen (OJC), einer ökumenischen Kommunität in der EKD, und promovierten Philosophen Dominik Klenk.

Wie bewerten Sie das neue Pfarrerdienstrecht mit Blick auf die Ökumene?
Problematisch. Zuallererst muss aber einmal gesagt werden, dass der Versuch der EKD, ein einheitliches Pfarrerdienstrecht herzustellen, sinnvoll ist. Und in den pragmatisch beschreibenden Teilen ist dieser Versuch durchaus gelungen. Leider hat man im Kern der Ausführungen versagt: Dort, wo es um das Pfarrerbild und damit um das Menschenbild geht, dort, wo Amts- und Lebensführung im Zentrum stehen. Hier muss man feststellen, dass die Homo- und Genderideologie tief ins Innere der Kirche eingedrungen sind. Das zersetzt zwangsläufig den biblisch fundierten Boden, auf dem die Kirche steht. Mit Blick auf die Ökumene bedeutet das vor allem einen massiven Verlust der Glaubwürdigkeit als Gesprächspartner. Was die katholische Kirche angeht, steht diese ja Gott sei Dank in der Lehre von Ehe und Familie glasklar auf dem Boden der Heiligen Schrift. Hier liegen die Herausforderungen etwas anders gelagert: Hier muss die gelebte Praxis in den Pfarrhäusern und Priesterseminaren dringend angeschaut werden. Wo Lehre und Leben auseinanderfallen, leidet die Glaubwürdigkeit genauso.

Gesellschaftspolitisch ist die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften der Türöffner für die Homo-Adoption. Halten Sie eine solche Entwicklung in der EKD für denkbar?
Ja, damit ist zu rechnen, auch wenn das heute jeder empört zurückweist. Wer aber den Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft nicht mehr eindeutig betont, der vernachlässigt zunehmend auch die grundlegende Bedeutung der Geschlechtlichkeit und Leiblichkeit des Menschen. Mit anderen Worten: Wer den Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft nicht mehr kennt, kennt bald den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht mehr. Dann ist es irgendwann auch gleichgültig, ob sich zwei Männer oder zwei Frauen oder aber Vater und Mutter um ein Kind kümmern. An keiner Stelle hat die evangelische Kirche bisher gezeigt, dass sie sich mit den zahlreichen soziologischen und sonstigen Daten zu homosexuellen Lebensweisen auseinandergesetzt hat – sonst würde sie die homosexuelle Partnerschaft nicht der Ehe gleichsetzen. Das heißt, sie weiß nicht, dass homosexuelle Partnerschaften viel instabiler sind – was zum Stress von Kindern beiträgt. Sie weiß nicht, dass viele Studien dafür sprechen, dass sexueller Missbrauch von Minderjährigen (insbesondere minderjährigen Jungen) bei homosexuell Lebenden häufiger ist als bei heterosexuell Lebenden.

Welche treibende Kraft sehen Sie hinter dem Beschluss der EKD-Synode? Oder muss man sich den Hintergrund eher als Versuch, durch Anpassung gesellschaftlich zu punkten, vorstellen?
Vernunft kommt von „vernehmen“, aber die postmoderne Kirche vernimmt nichts mehr vom Wort Gottes. Sie entscheidet autonom, was sie glauben will und was nicht. Und sie lebt aus der eigenen Kraft. Aus dieser Haltung des Selberwissens und Selbermachens heraus speist sich offensichtlich die Vorstellung, ein elitehafter Vorreiter einer neuen, besseren Ethik zu sein: Einer Ethik, die angeblich nicht mehr diskriminiert, sondern toleriert und akzeptiert. Sie hat aber dabei das Unterscheidungsvermögen für Gut und Böse eingebüßt. Das ist die Folge, wenn man sich nicht mehr eindeutig an der biblischen Botschaft orientiert. Besonders schmerzhaft ist das deshalb, weil die Kirche der Reformation sich ja in besonderer Weise dem Wort Gottes verpflichtet hat. Sola scriptura – alleine die Schrift, lautete das Credo Martin Luthers. Es ist den Bischöfen der VELKD und einigen aufrechten Pietisten aus Württemberg zu verdanken, dass die EKD im neuen Pfarrerdienstrecht am Begriff der Ehe im Pfarrhaus überhaupt noch festgehalten hat. Es gab starke Kräfte in der Synode, die nur noch von gendergerechten „Lebensformen“ und vom „familiären Zusammenleben“ sprechen wollten.

Die anglikanische Kirche hat mit ihrer Haltung zu homosexuellen Partnerschaften innere Zerreißproben heraufbeschworen. Was hindert die EKD Ihrer Meinung nach daran, aus solchen Erfahrungen zu lernen?
Es gibt in jeder Institution den Dünkel der Erhabenheit, das Gefühl, man stehe über den Dingen und Probleme hätten vor allem die anderen. Das gilt vermutlich auch für Kirchen. Lernfähigkeit bedeutet ja nicht, keine Fehler zu machen, sondern Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Dazu braucht es Demut und den unmissverständlichen Willen zu Entscheidungen auf biblischem Boden unter Erflehung des Heiligen Geistes. Davon ist man in der EKD weit entfernt. Stattdessen haben sich politisch korrekte Interessen Einzelner über den Gremienweg den Einzug ins Pfarrhaus gebahnt. Die Kirche darf aber ihr überindividuelles Amt nicht den Interessen von Individuen ausliefern. Das Amt trägt die Person und nicht umgekehrt. Sonst wedelt der Schwanz mit dem Hund.

Wie schätzen Sie die Stimmung unter jungen Protestanten ein?
Es gibt sicher einen Großteil, die diese Entwicklungen überhaupt nicht wahrnehmen. Sie sind evangelisch, weil ihre Eltern es auch sind. Und es ist inzwischen leider die Regel, dass ein Großteil der Jugendlichen aus dem aktiven Kontakt mit der Kirche hinauskonfirmiert wird. Die Institution EKD hat für junge Menschen so gut wie keine Relevanz. Aber es gibt auch eine neue Bewegung unter jungen Erwachsenen, die mit großer Sehnsucht auf der Suche nach gesellschaftlich relevantem Christsein ist. Menschen, die eine lebendige und persönliche Beziehung zu Jesus Christus suchen und die Welt gestalten wollen. Wo sich persönlicher Glaube auf einem klaren biblischen Fundament mit konkretem gesellschaftlichen Engagement verbindet, wirkt Christsein immer ansteckend und bringt Menschen in ihre Kraft.

Besser schwul als katholisch?

15 November 2010

Die vertane Chance der EKD, das evangelische Pfarrhaus als Ort der Klarheit und der Orientierung zurück zu gewinnen

Die EKD hat eine große Chance vertan. Bei der Verabschiedung des neuen Pfarrerdienstrechts auf der jüngsten Synode hätte sie sich als mutig und lernfähig erweisen können. Dazu gab die Bestimmung über „Ehe und Familie“ im Pfarrerdienstrecht Anlass. Dahinter verbirgt sich die Frage, ob auch Menschen in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft ins Pfarramt berufen werden können. In der Praxis ist das in den letzten zehn Jahren häufig geschehen. Einzelne Landeskirchen hatten das beschlossen oder einfach nur weggesehen. Die Synode in Hannover hätte die Chance gehabt, diese wesentliche Frage einer Klärung zuzuführen. Stattdessen hat sie das evangelische Pfarrhaus der moralischen Demontage preisgegeben.

  1. Neben der „Ehe“ wird der nebulöse Begriff „familiäres Zusammenleben“ eingeführt und erklärt. Das Pfarrhaus wird damit offiziell für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften im Amt geöffnet. Das jüdisch-christliche Verständnis von Familie wird aufgebrochen.
  2. Maßgebend für dieses Zusammenleben seien „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung“. Wie blind darf eine Kirchenleitung sein? Empirische Forschungen belegen eindeutig, dass Sex mit wechselnden Partnern außerhalb der festen Beziehung einer der hervorstechenden Unterschiede zwischen männlichen homosexuellen und heterosexuellen Partnerschaften ist. Durch dieses Faktum wird nicht nur die eigene Maßgabe karikiert, sondern faktisch die Loslösung von Amtsführung und Lebensführung im Pfarrhaus in Kauf genommen.
  3. Im selben Paragraphen über die Billigung „familiären Zusammenlebens“ heißt es weiter: „Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein“. Mit anderen Worten: Besser schwul als katholisch. Das Pfarrerdienstrecht ist eine Zumutung an die Ökumene.
  4. Diese Neuausrichtung riskiert sehenden Auges eine Kirchenspaltung. Hat man nicht erkannt, wie die Anglikanische Kirche in den vergangenen Jahren an dieser Frage zerbrochen ist? Nimmt man nicht wahr, wie der Lutherische Weltbund mit weichen Knien seinen Zerriss vor Augen sieht?
  5. Am schlimmsten aber ist, dass die Schriftfrage ausgeklammert bleibt. Noch vor 15 Jahren formulierte die EKD: „Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil.“ Diese klare Erkenntnis hat sich alsbald verunklart. Die Billigung der eingeschlichenen Praxis wird durch Verbiegung oder Ausblendung der biblischen Lehre und der Bekenntnisschriften in Kauf genommen.

Nun rutscht der Prozess in die Gliedkirchen weiter. Die Chance zu einer notwendigen Re-Formation wird neu eröffnet. Wird sie genutzt, kann die Kirche ihre Glaubwürdigkeit erneuern. 2007 hat die EKD eine Reformdekade ausgerufen. Die „Kirche der Freiheit“ möchte 12 Leuchtfeuer entzünden, um sich zu erneuern und zum 500. Jahrestag von Luthers Anschlag der 95 Thesen gerüstet zu sein. Die Reform des Pfarrerdienstrechtes ist ein Zündeln im eigenen Pfarrhaus. Wenn die Kirche der Freiheit sich als Kirche fahrlässiger Beliebigkeit entpuppt, wird sie eine Kirche ohne Volk sein.

Gastkommentar in IdeaSpektrum 46/2010, S. 3

Das neue Pfarrerdienstrecht der EKD ist eine Demontage des evangelischen Pfarrhauses.
Wie kann dem begegnet werden? Wie kann das einzelne Kirchenmitglied aktiv werden?

Vier Vorschläge um konstruktive Signale zu setzen:

Der Weg der Hoffnungsvollen: Aufstehen!
Gebt euren Synaodalen in den Landeskirchen ein glasklares Signal vor der Abstimmung in den Synoden.
Informiert euch über ihre Namen und die Termine. Macht deutlich, was ihr von dieser Demontage des evangelischen Pfarrhauses haltet.

Der Weg der Demütigen: Niederknien!
Übernehmt einen Gebetsdienst in eurer Kirche. Bittet Gott um Erbarmen für die Verblendung in der eigenen Kirche. Betet für die Entscheidungsträger in den Landessynoden.

Der Weg der Kreativen: Querdenken!
Bringt eine Welle in Bewegung. Zeigt, dass wir viele sind. Macht klar, was Protestanten sind: Wir stehen auf biblisch-reformatorischem Boden und für die Klarheit von Ehe und Familie. Das Pfarrhaus ist kein Freudenhaus. Findet die richtigen Slogans, bildet originelle Gruppen, vernetzt Euch. Ihr wisst selber, wie das heute am besten geht.

Der Weg der Zornigen: Austreten!
Auch das kann ein konstruktives Signal im Prozess sein. Wenigstens temporär. Man muss der Institution zeigen, wo die Schmerzgrenze überschritten ist. Dieses Signal wird ganz sicher im Kirchenamt wahrgenommen.

Das neue Pfarrerdienstrecht der EKD finden Sie hier »

Switch to our mobile site