Atomstrom oder regional autarke Energieversorgung?

24. Mai 2011 von Dominik Klenk Kommentieren »

Wie werden wir in Zukunft leben? Mit Atomstrom oder durch eine regional autarke Energieversorgung?
Diese Frage ging an Schüler der Klasse 11 aus der Odenwald–Region. 28 von Ihnen haben sich an der Ausschreibung des Wettbewerbs “Jugend und Zukunft” beteiligt. Zur Preisverleihung kam auch eine hochrangige Expertenrunde zusammen, die ich im Kloster Höchst moderiert habe.

Hier mein Bericht über die Expertenrunde:

Energie-Gipfel im Kloster Höchst

Preisverleihung „Jugend und Zukunft“ mit hochkarätiger Expertenrunde

Diskutierten in Höchst über Strom und Vulkan-Energie - Prof. Rolf Katzenbach Direktor des Energie-Centers der TU Darmstadt, Dirk Jost Geschäftsführer von E.ON und Moderator Dominik Klenk

Diskutierten in Höchst über Strom und Vulkan-Energie - Prof. Rolf Katzenbach Direktor des Energie-Centers der TU Darmstadt, Dirk Jost Geschäftsführer von E.ON und Moderator Dominik Klenk

Höchst i. Odw. / „Als Jugendlicher habe ich mich kaum für Energiefragen interessiert. Dass der Strom aus der Steckdose kommt, hat mir genügt.“ Das Bekenntnis zum unbedarften Stromverbraucher in Jugendjahren stammt von Dirk Jost Geschäftsführer der E.ON, dem größten Stromkonzern in Deutschland. Professionell und publikumsnah präsentierte der Rotary-Club Erbach-Michelstadt den Studientag „Jugend und Zukunft“ im Kloster Höchst. Die Expertenrunde des Nachmittagspodiums war der Höhepunkt des kleinen Energiegipfels mit rund 100 Schülern und Lehrern im Kloster Höchst. Unter der Fragestellung „Sinn und Unsinn eines regionalen Energiekonzeptes“ diskutierten Dirk Jost von E.ON, Albert Filbert, Vorstandsvorsitzender der HSE, Professor Rolf Katzenbach Direktor des Energy-Centers an der TU Darmstadt und als Vertreter der regionalen Politik der gelernte Umweltingenieur und Michelstädter Bürgermeister Stefan Kelbert miteinander. Moderiert wurde die Expertenrunde von Dr. Dominik Klenk (OJC) aus Reichelsheim.
Dirk Jost von E.ON machte deutlich, dass sich sein Unternehmen aufgrund des demographischen Wandels und der Aussicht eines damit verbundenen schwindenden Energiebedarfs in Deutschland auf die globalen Märkte konzentrieren werde. Durch den wachsenden Energiebedarfs in den sich entwickelnden Ländern, aufgrund einer dort wachsenden Bevölkerung liege das größte Wachstumspotenzial des Energie-Giganten E.ON. auf anderen Kontinenten. Demgegenüber betonte Albert Filbert von der HSE, die wachsende Bedeutung regionaler Energiekonzepte und den radikalen Schwenk der HSE zur „grünen Energie“. Schon seit 2008 habe die HSE keinen Atomstrom mehr im Programm. Als „Unterirdisch gut“ bezeichnete TU-Professor Katzenbach die Möglichkeit den künftigen Energiebedarf aus den Wärmeressourcen im Erdinneren zu decken. Hier brauche es dringend neue Innovationen und Investitionen. „Jede Region bräuchte ihren eigenen kleinen Vulkan, den sie verlässlich anzapfen kann“, so der Wissenschaftler. Die Entwicklung und Umsetzung einer solchen Innovation bräuchte allerdings Jahre intensiver Forschung in diesem Bereich, um entsprechend tief und verlässlich ins Erdinnere vordringen zu können. Dass eine gewaltige Ressource für ein regionales Energiekonzept zu allererst im Energie-Sparen liege, betonte Bürgermeister Kelbert. Auch sei die Bereitschaft bei den Bürgern nach Fukushima deutlich gestiegen, sich aktiv für eine Energiewende zu engagieren.
Inwieweit alternative Energiegewinnung für die Verbraucher teurer werden dürfe, blieb ein offener Streitpunkt. Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Thematisierung eines regionalen Energiekonzeptes einen wichtigen Beitrag leiste, um dann auch wirklich neue Wege zu gehen. Gleichwohl sei es völlig utopisch mit einem solchen Konzept den regionalen Energiebedarf zu 100% decken zu können. Bislang liege die Quote von regional hergestellten Alternativenergien lediglich im einstelligen Prozentbereich. Mehr als ein Drittel des Bedarfs sei perspektivisch kaum durch ein alternatives Energiekonzept zu decken.

Die Expertenrunde, die sich abschließend auch Fragen aus dem Publikum stellte, bot den inhaltlichen Nachschlag zur Präsentation der Schüler von vier Odenwälder Gymnasien am Vormittag. Insgesamt 28 Schüler und Schülerinnen aus vier Oberstufen der Region hatten die Herausforderung der Ausschreibung des Preises „Jugend und Zukunft“ des Rotary-Clubs Erbach-Michelstadt angenommen. Seit Oktober haben Sie zusammen mit ihren Tutoren das Thema „Sinn und Unsinn eines regionalen Energiekonzeptes“ bearbeitet und in einer zusammenfassenden schriftlichen Stellungnahme präsentiert. Alle eingereichten Arbeiten der acht Gruppen wurden von der Jury als durchdacht und hinreichend beurteilt. Den ersten Preis, dotiert mit 2500.- Euro Preisgeld erhielten Daniel Glassel, Jan Ertl und Jan Hollerleben vom Gymnasium Michelstadt. Der zweite Preis ging ebenfalls an das Gymnasium Michelstadt mit Falk Kessler, Christoph Lang, Til Schröder und Tom Schünemann, die sich das Preisgeld von 1500.- Euro teilen dürfen. Beide Gruppen wurden von Tutor Jochen Löb begleitet. Der dritte Preis dotiert mit 1000.- Euro ging an Sarah Olbert, Laura Neubürger und Annika Lauer von der Ernst-Göbel-Schule Höchst. Den Sonderpreis für die beste Präsentation ihrer Ausarbeitungen erhielt die Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim. Jasmin Balz, Jan Dörr, Ali Köyüoglu, Yannik Lopinsky, Marita Napierala und Lyann Perera hatten den dramaturgisch besten Auftritt und sicherten sich das Preisgeld von 500.- Euro.

Zum neunten Mal hatte der Rotary-Club den Preis „Jugend und Zukunft“ in diesem Jahr ausgeschrieben. „Über die große Resonanz und die hohe Qualität der Arbeiten freuen wir uns ausgesprochen“, betonte der Präsident der Rotarier, Manfred Uhrig bei der Preisverleihung. „Es ist uns ein Anliegen, dass sich Rotary in der Region als Gesprächspartner, Vernetzer und Förderer im Bereich Kultur, Bildung und Gemeinwohl engagiert”, so Uhrig. Seit fast vier Jahrzehnten trifft sich der Rotary-Club Michelstadt-Erbach, um solche und andere Projekte und Förderungen in der Region umzusetzen.

Dr. Dominik Klenk

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