Beschwiegener Sprengsatz

21. November 2011 von Dominik Klenk

§39 Pfarrerdienstrecht: Was folgt, wenn das biblische Bekenntnis kirchenjuristisch auf postmodern getrimmt wird

Am 8. November 2011 hat die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) die EKD-Vorlage (pdf) als gültiges Kirchenrecht beschlossen. Man kann nur hoffen, dass die Gliedkirchen der VELKD darunter auch Sachsen und Bayern und auch andere Landeskirchen, wie etwa Württemberg, die nun ihrerseits in ihren Landessynoden noch darüber zu befinden haben, nicht dem Vorbild der Berliner Landeskirche (EKBO) folgen. Diese hat unter ihrem Bischof Markus Dröge im Oktober in einem „Kirchengesetz zur Zustimmung und Ausführung des Pfarrdienstgesetzes der EKD“ in ihrer Auslegung von §39 bereits klar gemacht, dass für sie Ehe und Homo-Lebenspartnerschaft im Pfarrhaus auf der völlig gleichen Ebene stehen, inklusive der Kinder, die in der Lebenspartnerschaft aufwachsen. Das theologische Gespräch ist hier vorbei. Bezüge zur Heiligen Schrift? Fehlanzeige!

Die Landeskirchen der EKD, ihre Synoden und die einzelnen Gläubigen sollten sich also der weitreichenden und weithin nicht thematisierten Konsequenzen bewusst sein, die das EKD-Pfarrerdienstrecht und seine Begründung in sich tragen.

Sieben beschwiegene Konsequenzen von § 39

1. Gleichsetzung:
Die evangelische Kirche stellt „familiäres Zusammenleben“, also „jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens von mindestens zwei Menschen“, faktisch auf eine Stufe mit der Ehe.

2. Aufweichung:
Damit wird die Ehe von Mann und Frau als zukunftsfähiges Leitbild christlicher Lebensweise aufgeweicht und zu einer Lebensform unter anderen. Homosexuelle Partnerschaften werden kirchenrechtlich legitimiert.

3. Häresie:
Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche wird hier ein eindeutig bibelwidriger Sachverhalt kirchenrechtlich implantiert. Das ist eine völlig neue Qualität der Häresie. Noch 1996 schrieb die EKD in ihrer Denkschrift „Mit Spannungen leben“, es gäbe „keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil“.

4. Unterwerfung:
Der Begriff des „familiären Zusammenlebens“ meint „jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens“. Damit unterwirft sich die Kirche in einer theologisch-anthropologischen Grundfrage staatlicher Gesetzgebung. Was, wenn der Staat in den nächsten Jahrzehnten noch ganz andere Lebensformen „von mindestens zwei Menschen“ rechtlich legitimiert, etwa bisexuelle Dreierschaften? Oder die Geschwisterehe? Die EKD hat sich jetzt bereits potenziell für diese Szenarien geöffnet.

5. Entwurzelung:
Dieser Beschluss entwurzelt evangelische Christen, für die diese Art „familiärer Lebensformen“ unbiblisch und im Pfarrhaus nicht vorstellbar ist. Unter welchem Dach sollen diese Christen in Zukunft Heimat finden?

6. Verengung:
Mit diesem Beschluss wird der Raum für Christen in ihrer Kirche noch enger, die ihre homoerotische Orientierung selbst nicht ausleben wollen und sich eine Veränderung erhoffen. Es bleibt zu fragen, ob es für diesen Wunsch nach Seelsorge und Begleitung in der evangelischen Kirche überhaupt noch Raum gibt und ob diese Menschen hier noch erwünscht sind.

7. Schwächung:
Dieses Kirchenrecht mit seinen ethischen und anthropologischen Implikationen wirft die Kirchen in ihrem ökumenischen Prozess um Jahrzehnte zurück. Die kirchenrechtliche Manifestation eines postmodernistischen Menschenbildes, das die Polarität der Geschlechter und ihre Komplementarität relativiert, ist ein Sonderweg der EKD mit dem sie sich als ernstzunehmender Gesprächspartner aus der internationalen Community der Kirchen verabschiedet.

Uninspirierte Denkmuster

Das, was hier geschieht, ist theologisch ver-rückt im substanziellen Sinne. Es zeigt, wie wenig erinnerungs- und bibelgesättigt oder mutig sich die EKD-Vertreter aus den evangelischen Landeskirchen bis hierher gezeigt haben. Jedenfalls in ihren Ergebnissen. Vor allem aber schmerzen die uninspirierten Denkmuster, die nunmehr die Selbstsäkularisierung des kirchlichen Apparates juristisch zementieren, in dem man der Genderideologie und ihrer Geschlechterveruneindeutigung fröhlich huldigt. Und das in Zeiten, in denen die Bindungsforschung die praktischen Folgen dieser Vielfalt für die nächste Generation längst in signalroten Lettern publiziert.

Auf, ihr Bayern,  Sachsen, Württemberger

Welche Zukunft hat eine Kirche, die sich als „Kirche der Freiheit“ selbst so auslegt, dass das Wort Gottes kirchenrechtlich gebeugt wird? Und welchen Weg werden Christen einschlagen, für die hier die Schmerzgrenze unbiblischer Positionierung definitiv überschritten wird? In die Freikirche überwechseln, oder katholisch werden?
Was Not tut angesichts der ersichtlichen Deformation, ist die reformatorische Bereitschaft zur Umkehr – die alte Kirche nannte dies „Buße“. Das wäre mal eine Innovation auf dem Weg zum Reformationsjubiläum! Auf, ihr Bayern, ihr Sachsen und Württemberger wenn jemand alles kann, außer Hochdeutsch, dann ihr. Laßt euch und eure Kirchen nicht schematisieren von dieser theologischen Mittelmäßigkeit zweiter Klasse. Gerade in deutschen Landen muss die modisch-ideologische Anfälligkeit  der „Hochtheologie“ wachsam im Auge behalten werden. Es gilt jetzt die Geister zu unterscheiden und so Tretminen zu entfernen, solange noch kein Gras drüber gewachsen ist. Denkt an die kommende Generation. Eine Kirche, die zu dieser Scheidung nicht mehr in der Lage ist, ist weder zukunftsfähig noch wird sie die Einheit bewahren können.

Dr. Dominik Klenk 21-11-11

Ökumene – keine Koalitionsverhandlungen

1. November 2011 von Dominik Klenk

„Lieber Bruder in Rom!“

Es gibt sie, die Protestanten, die Ökumene nicht mit Koalitionsverhandlungen verwechseln, die keine ökumenischen Gastgeschenke erwarten, die den Gast überfordern. Im Band „Lieber Bruder in Rom! Ein evangelischer Brief an den Papst“ hat Dominik Klenk 18 von Ihnen versammelt, die der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt die Hand entgegenstrecken und zeigen, dass Ökumene keine Einbahnstraße katholischer Vorleistungen ist. Auf Christus hin und aufeinander zu: Diese Methode formuliert Klenk in seinem Vorwort. Und die wenden die Autoren unterschiedlich an – mit bisweilen bemerkenswerten Ergebnissen. Der Theologe Werner Neuer etwa ermutigt den Papst zu einer Enzyklika über das christliche Menschenbild – Gender-Mainstreaming und Homo-Ideologie lassen ihm dies nötig erscheinen. Und der Theologe Ulrich Parzany gar fordert Benedikt XVI. auf, gegen ein Christentum ohne Christus zu kämpfen. Wörtlich schreibt er. „Ich hätte nie gedacht, dass ich als evangelischer Christ einmal den Papst bitten würde, die Evangelisation in Europa stärker voranzutreiben.“ Sicher, es bleiben Begrenzungen, etwa, wenn Günther Beckstein die Deutlichkeit seiner Kirche im Lebensschutz bemängelt, gleichzeitig aber den Ausstieg der katholischen Kirche aus der staatlichen Konfliktberatung kritisiert. Oder wenn die Theologin Astrid Eichler zwar die Schönheit des Zölibats entdeckt, aber nicht versteht, warum die katholische Kirche ihre Priester nur aus den Reihen der Zölibatäre wählt. Doch davon einmal abgesehen: Jeder der Autoren würde dem ökumenischen Imperativ zustimmen, den Robert Spaemann in seinem Nachwort mit dem Apostel formuliert: Wetteifert miteinander in der Verherrlichung Gottes! OM

 

Quelle: Die Tagespost; Samstag 8. Oktober 2011; Nummer 120; Seite 5 (Kirche aktuell)

Lieber Bruder in Rom – Besprechung auf Schweizerdeutsch

31. Oktober 2011 von Dominik Klenk

Auch die Schweizer lesen die Papstbriefe – und besprechen sie akzentuiert. Mehr hören Sie hier »

„Der Papst macht Christus groß“

10. Oktober 2011 von Dominik Klenk

So die Einschätzung von mir in einem Interview in der Tagespost. Hier das Interview im vollen Wortlaut:

Dominik Klenk, evangelischer Prior der Ökumenischen Kommunität „Offensive Junger Christen“ (OJC) in Reichelsheim, zu seinen Erwartungen an den Papstbesuch und die anti-katholische Polemik des „chrismon“-Chefredakteurs Arnd Brummer.

Von Oliver Maksan

 

Herr Klenk, Arnd Brummer polemisiert, von einer Predigt Kardinal Ratzingers über die Diktatur des Relativismus aus der katholischen in die evangelische Kirche getrieben worden zu sein. Billigen Sie dies?
Herrn Brummer sollte man in dieser Sache nicht allzu viel Gewicht geben. Es bestätigt sich immer wieder neu, dass Konvertiten für die Ökumene normalerweise verloren sind. Sie müssen sich so vehement von ihrem alten Fundament abstoßen, dass eine kluge, sachliche und beherzte Auseinandersetzung oft gar nicht mehr möglich ist. Einige seine Anmerkungen zur Katholischen Kirche sind bedenkenswert. Aber das muss dann im Geist der Wertschätzung ins Gespräch gebracht werden.

 

Heute kommt Papst Benedikt ins Land. Können Sie als Protestant mit ihm mehr anfangen als Herr Brummer?
Aber ja. Der Papst hat für die Ökumene schon weit mehr bewegt, als landläufig wahrgenommen wird: Er hat Jesus Christus klar und leuchtend ins Zentrum seiner Verkündigung gestellt. In seiner Enzyklika „Deus Caritas est“ und in seinen beiden wunderbaren Jesus-Büchern ist er Zeuge und Wegbereiter für die Botschaft der Liebe, die uns umtreibt. Er macht Jesus groß und strapaziert das konfessionelle Sondergut der Katholischen Kirche nicht über die Maßen. Es ist aus seinem Pontifikat deutlich herauszuhören, dass ihm die Einheit der Kirchen ein wesentliches Anliegen ist.

 

Der Papst trifft in Erfurt Vertreter der evangelischen Kirche. Erwarten Sie, dass er das gemeinsame Abendmahl ankündigt und den Luther-Bann aufhebt?
Nein, das erwarte ich nicht. Benedikt hat viel zu viel Achtung sowohl vor dem protestantisch gewachsenen Weg als auch vor der Lehre seiner eigenen Kirche. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es trotzdem in der Sache ein beherztes Miteinander wird. Wenn es denn um diese beiden Punkte gehen sollte, dann wäre die Lösung von Luthers Bann auf jeden Fall das vorausgehende fundamentale Geschehen. Denn der Bann über Luther und seine Lehre ist nie aufgehoben worden. Darum ist die evangelische Kirche für die Katholiken bis heute nicht Kirche im vollen Sinn. Schon Johannes Paul II. war intensiv an dieser Frage dran. Ein solcher Schritt braucht Vitalität und Elastizität, die ich Benedikt zutraue.

 

Sie haben das Buch „Lieber Bruder in Rom“ herausgegeben, in dem profilierte und dem Evangelium verpflichtete Protestanten dem Papst und katholischer Kirche zu Lebensschutz und Neuevangelisierung die Hand reichen. Fehlt es Katholiken auf evangelischer Seite an solchen Bündnispartnern?
Ja und Nein. Man muss sich klar machen: „Die“ evangelische Kirche gibt es ebenso wenig wie „die“ Katholiken. Ich glaube, dass sich mittelfristig eine Allianz aus christuszentrierten und dem biblischen Zeugnis verpflichteten Katholiken und Protestanten bilden wird. Christus wird seiner Kirche den Atem nicht ausgehen lassen – der Atem des Heiligen Geistes, der das Evangelium neu zum Klingen bringt. Es gibt übrigens bereits wunderbare Allianzen im Lebensschutz, in ethischen Grundfragen, in der Ökumene vor Ort, in denen Katholiken mit Protestanten sehr profiliert zusammenarbeiten. Christen müssen heute gemeinsam und konfessionsübergreifend handeln, weil sie sonst keine glaubwürdige Botschaft für eine säkulare Gesellschaft haben.

 

Quelle: Die Tagespost, 21. September 2011

Kardinal Koch spricht über das Papstbuch

30. September 2011 von Dominik Klenk

Die Briefe an den “Lieben Bruder in Rom” sind nicht nur beim Papst, sondern auch im Vatican angekommen.
Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen zeigt sich im Fernsehinterview als Kenner des Buches, deren Autoren und Ausrichtung er wertschätzt und die er in der ökumenisch stärken möchte. Zum Film (Minute 1:40 – 2:40) geht es hier (http://gloria.tv/?media=197314).

Mein Kommentar zum Papstbesuch: Paparoni

27. September 2011 von Dominik Klenk

Paparoni

Klar-scharf-lebendig:
Der Papst in Deutschland – eine paulinische Lektion vom Lehrstuhl Petri

Der Papst war in Deutschland. Entgegen schlimmster Befürchtungen blieb der Reichstag weihrauchfreie Zone. Das geforderte Gastgeschenk in Erfurt blieb aus und die reichlich angekündigten Protestwellen hatten schlussendlich kaum Schaumkronen. Saure-Gurken-Zeit also statt ökumenischem Oktoberfest? Mehr hier (pdf, 41kB)

Papstbuch-Kritik im Deutschlandradio Kultur

22. September 2011 von Dominik Klenk

Pünktlich zur Landung von Papst Benedikt in Berlin hat das Deutschlandradio Kultur das Buch “Lieber Bruder in Rom” besprochen. Und endlich mal kontrovers! Der Journalist Andreas Malessa fährt mit scharfer Klinge zwischen die Briefe. Seine chirurgische Diagnose: “Vier brilliante Briefe und ein Totalausfall”. Den ganzen Beitrag hören sei hier:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1560338/

Interview zum Papstbesuch im Radio PSR

22. September 2011 von Dominik Klenk

Luther war Sachse. Papst Benedikt kommt in dieser Woche nach Sachsen. Was das für die Ökumene bedeuten könnte, hat das Sachsenradio nachgefragt.
Den Beitrag vom 2:30 Minuten hören Sie hier (mp3, 2,5 MB).

Papstbuch “Lieber Bruder in Rom” im Tagesspiegel

19. September 2011 von Dominik Klenk

Heute wurde das Papstbuch “Lieber Bruder in Rom” zusammen mit drei anderen Büchern im Berliner Tagesspiegel besprochen. Die Rezension finden Sie hier.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/benedikt-xvi-der-mensch-und-sein-amt/4621100.html

Radiointerview mit dem ERF zum Papstbuch

16. September 2011 von Dominik Klenk

Gestern hat der ERF ein Radio-Interview mit mir gemacht. Aufhänger war das Papstbuch „Lieber Bruder in Rom“, das ja bereits beim Papst angekommen ist! Das Gespräch über den Riss zwischen den Konfessionen und mögliche Wege der Versöhnung hören Sie hier: Buchbesprechung – Lieber Bruder in Rom (1,6 Mb; mp3).

Quelle: ERF Morgenmagazin Aufgeweckt

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