Archiv für November 2011

„Dream-Team“ aus Reichelsheim

25 November 2011

Das von mir trainierte Handball Dream-Team der Georg-August-Zinn-Schule Reichelsheim hat es fast geschafft, sich für das Landesfinale zu qualifizieren… »

Erneuerung durch das Wagnis der leeren Hände

25 November 2011

Ein Bericht vom Treffen Geistlicher Gemeinschaften 2011. Autor: Bruder Christian von der Christusträger Bruderschaft

Geistliche Gemeinschaften treffen sich im Kloster Triefenstein der Christusträger-Bruderschaft

Treffen Geistlicher Gemeinschaften 2011

Treffen Geistlicher Gemeinschaften 2011

Die rund 200 geistlichen Gemeinschaften und Kommunitäten innerhalb der Evangelischen Kirche von Deutschland seien „Zukunftsmodelle mit Erneuerungskraft“ für alle Kirchen. Diese These vertrat Bischof Jürgen Johannesdotter, der Kommunitätenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), beim „Treffen Geistlicher Gemeinschaften in der EKD“ (TGG) im Kloster Triefenstein am Main.
Auf Einladung der Christusträger-Bruderschaft fand das neunte Treffen der seit 2003 bestehenden Vereinigung zum ersten Mal im unterfränkischen Triefenstein statt. Rund 60 Mitglieder von etwa 35 geistlichen Gemeinschaften und Kommunitäten nahmen an dem dreitägigen Treffen über den Buß- und Bettag teil.

Die einzelnen Lebensgemeinschaften haben unterschiedliche Zusammensetzungen, Profile und Aufgaben. Gemeinsam ist ihnen, dass Männer, Frauen oder Familien sich zu einem verbindlichen Lebensstil verpflichten, gemeinsam Aufgaben wahrnehmen und sich zu regelmäßigen Gebetszeiten und Gottesdiensten versammeln.

Die etwa zehn Mitglieder der „Ökumenischen Kommunität Imshausen“ in der Nähe von Bebra beispielsweise bieten Einkehrtage und Pilgerwege für verschiedene Altersgruppen an. Die Lebensgemeinschaft „Zugvögel“ aus Ostfriesland hat sich als Ziel vor allem „Gastfreundschaft, Seelsorge und Lebensberatung“ vorgenommen. Die „Offensive Junger Christen“ aus dem hessischen Reichelsheim lädt an mehreren Standorten u.a. zum gesellschaftlichen Handeln aus dem Rhythmus des Gebets heraus ein und engagiert sich z.B. zur Aussöhnung mit Israel.

Bischof i.R. Jürgen Johannesdotter

Bischof i.R. Jürgen Johannesdotter

Manche geistlichen Gemeinschaften innerhalb der evangelischen Kirche lebten bereits seit 60 Jahren nach den alten Mönchsregeln des Heiligen Benedikt, berichtet Bischof Johannesdotter. Ihr hohes Engagement und ihre Verbindlichkeit strahlten in die Kirche hinein, inzwischen hätten auch die Kirchenleitungen verstanden, welch wichtige und „unaufgebbare Rolle“ diese Gemeinschaften spielten. „Uraufgaben der Kirche“ nähmen sie wahr, so Johannesdotter.
Sie machten „Vertiefung des Glaubens für Einzelne“ möglich, gäben bei stillen Tagen und Einkehrzeiten Hilfen zum Auftanken und zur Neuausrichtung und machten auch sonst eine Vielzahl von guten geistlichen Angeboten, die in die Kirchengemeinden hinein spürbar würden. Gleichzeitig nähmen sie diakonische Aufgaben wahr – vor der Haustür in Deutschland z.B. in Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen, aber auch auf vielfältige Weise in Entwicklungsländern.
Das Profil der meisten Gemeinschaften sei „konservativ-bewahrend, aber nicht ausgrenzend“, die geistlichen Gemeinschaften seien so ein „Gegenmittel gegen Fundamentalismus und Fanatismus“, so der Kommunitätenbeauftragte.
Besonderen Einfluss hätten sie auch für die praktisch gelebte Ökumene. Wenn man den Glauben verbindlich lebe, dann stelle man schnell fest, wie konfessionelle Grenzen verschwänden, so Johannesdotter.

Aus ihren Praxiserfahrungen heraus bestätigt das eine  Teilnehmerin der TGG-Tagung, die Heilpädagogin Astrid Froeb von der „Tecklenburger „Arche“. In ihrer Lebensgemeinschaft (der deutsche Zweig einer internationalen Bewegung) leben behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen. Dabei würden die unterschiedlichen kirchlichen Hintergründe ganz natürlich einfließen, in Polen und Frankreich seien die Arche-Gemeinschaften deshalb eher katholisch geprägt, in England anglikanisch, hier in Deutschland ökumenisch, berichtet Astrid Froeb. Sie selbst habe erlebt, dass „Gott sich nicht an Konfessionen binde“ – und sie sei darüber sehr froh.

„Füreinander Sein“, zu diesem Gesamtthema der diesjährigen TGG-Tagung sprach der Theologe und Organisationsberater Klaus Hägele aus Berlin. Auch und gerade Mitglieder von verbindlichen Gemeinschaften müssten achtsam miteinander umgehen, einander auf Augenhöhe begegnen und dabei auch „Mut zum Versagen und zur Lücke“ haben. Zur „Dynamik der Christusgemeinschaft“ gehöre es, das „Wagnis der leeren Hände“ einzugehen – und sich „in den Strom der Bewegung Gottes zur Welt stellen“, so Hägele.

Das „Treffen Geistlicher Gemeinschaften“ (TGG) ist die „Schwester“ der „Konferenz Evangelischer Kommunitäten“ (KevK) und steht mit ihr in enger Verbindung. Im TGG begegnen sich die unterschiedlichsten Gemeinschaften, Kommunitäten, Netzwerke, Bruderschaften und Schwesternschaften im Raum der Evangelischen Kirchen. Im Gegensatz zur Konferenz Evangelischer Kommunitäten sind hier die verbindlichen geistlichen Gemeinschaften zusammengefasst, deren Mitglieder nicht unbedingt eine Verpflichtung zu einem Leben in Ehelosigkeit eingegangen sind: Viele dieser Gemeinschaften sind durch das Miteinander von Ledigen, Ehepaaren und Familien geprägt.

Das in Triefenstein neu gewählte Vorbereitungsteam der TGG besteht aus:

Frank Lilje, Evangelische Michaelsbruderschaft, Marburg
Ulrike Doormann, Communität Koinonia, Hermannsburg
Eva Gierse, Jesus-Gemeinschaft, Marburg
Gerhard Knodt und Elmar Oertel, Emmaus Lebensgemeinschaft, Hersbruck
Irisz Sipos, Offensive Junger Christen,  Reichelsheim
Clementine Haupt-Mertens, Frauengemeinschaft Kloster Wennigsen, Wennigsen bei Hannover

Die gastgebenden Christusträger sind eine evangelische Gemeinschaft mit ökumenischer Offenheit, die nach den Regeln der alten Mönchsorden lebt. Die Mitglieder verzichten auf Ehe, Familie und Besitz und wollen ihr Leben für Gott und den Nächsten einsetzen. Mitglieder der Gemeinschaft arbeiten unter anderem in Leprakrankenhäusern in Pakistan, in einer Ausbildungswerkstatt in Afghanistan, Kinderheimen in Argentinien und einem Buschkrankenhaus in Kongo. In Triefenstein am Main (Main-Spessart-Kreis) lebt etwa ein Dutzend Christusträger-Brüder.

Sie kauften vor rund 25 Jahren das etwa 900 Jahre alte frühere Augustiner-Chorherrenstift, renovierten es und bauten es zum Tagungshaus um. Das ganze Jahr über sind dort Gemeindegruppen, Seminare und Einzelpersonen zu Gast, um in der Ruhe des Klostergeländes Zeit zum Auftanken und zum Nachdenken, zum Gebet und zur Begegnung mit Gott zu suchen.

Beschwiegener Sprengsatz

21 November 2011

§39 Pfarrerdienstrecht: Was folgt, wenn das biblische Bekenntnis kirchenjuristisch auf postmodern getrimmt wird

Am 8. November 2011 hat die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) die EKD-Vorlage (pdf) als gültiges Kirchenrecht beschlossen. Man kann nur hoffen, dass die Gliedkirchen der VELKD darunter auch Sachsen und Bayern und auch andere Landeskirchen, wie etwa Württemberg, die nun ihrerseits in ihren Landessynoden noch darüber zu befinden haben, nicht dem Vorbild der Berliner Landeskirche (EKBO) folgen. Diese hat unter ihrem Bischof Markus Dröge im Oktober in einem „Kirchengesetz zur Zustimmung und Ausführung des Pfarrdienstgesetzes der EKD“ in ihrer Auslegung von §39 bereits klar gemacht, dass für sie Ehe und Homo-Lebenspartnerschaft im Pfarrhaus auf der völlig gleichen Ebene stehen, inklusive der Kinder, die in der Lebenspartnerschaft aufwachsen. Das theologische Gespräch ist hier vorbei. Bezüge zur Heiligen Schrift? Fehlanzeige!

Die Landeskirchen der EKD, ihre Synoden und die einzelnen Gläubigen sollten sich also der weitreichenden und weithin nicht thematisierten Konsequenzen bewusst sein, die das EKD-Pfarrerdienstrecht und seine Begründung in sich tragen.

Sieben beschwiegene Konsequenzen von § 39

1. Gleichsetzung:
Die evangelische Kirche stellt „familiäres Zusammenleben“, also „jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens von mindestens zwei Menschen“, faktisch auf eine Stufe mit der Ehe.

2. Aufweichung:
Damit wird die Ehe von Mann und Frau als zukunftsfähiges Leitbild christlicher Lebensweise aufgeweicht und zu einer Lebensform unter anderen. Homosexuelle Partnerschaften werden kirchenrechtlich legitimiert.

3. Häresie:
Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche wird hier ein eindeutig bibelwidriger Sachverhalt kirchenrechtlich implantiert. Das ist eine völlig neue Qualität der Häresie. Noch 1996 schrieb die EKD in ihrer Denkschrift „Mit Spannungen leben“, es gäbe „keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil“.

4. Unterwerfung:
Der Begriff des „familiären Zusammenlebens“ meint „jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens“. Damit unterwirft sich die Kirche in einer theologisch-anthropologischen Grundfrage staatlicher Gesetzgebung. Was, wenn der Staat in den nächsten Jahrzehnten noch ganz andere Lebensformen „von mindestens zwei Menschen“ rechtlich legitimiert, etwa bisexuelle Dreierschaften? Oder die Geschwisterehe? Die EKD hat sich jetzt bereits potenziell für diese Szenarien geöffnet.

5. Entwurzelung:
Dieser Beschluss entwurzelt evangelische Christen, für die diese Art „familiärer Lebensformen“ unbiblisch und im Pfarrhaus nicht vorstellbar ist. Unter welchem Dach sollen diese Christen in Zukunft Heimat finden?

6. Verengung:
Mit diesem Beschluss wird der Raum für Christen in ihrer Kirche noch enger, die ihre homoerotische Orientierung selbst nicht ausleben wollen und sich eine Veränderung erhoffen. Es bleibt zu fragen, ob es für diesen Wunsch nach Seelsorge und Begleitung in der evangelischen Kirche überhaupt noch Raum gibt und ob diese Menschen hier noch erwünscht sind.

7. Schwächung:
Dieses Kirchenrecht mit seinen ethischen und anthropologischen Implikationen wirft die Kirchen in ihrem ökumenischen Prozess um Jahrzehnte zurück. Die kirchenrechtliche Manifestation eines postmodernistischen Menschenbildes, das die Polarität der Geschlechter und ihre Komplementarität relativiert, ist ein Sonderweg der EKD mit dem sie sich als ernstzunehmender Gesprächspartner aus der internationalen Community der Kirchen verabschiedet.

Uninspirierte Denkmuster

Das, was hier geschieht, ist theologisch ver-rückt im substanziellen Sinne. Es zeigt, wie wenig erinnerungs- und bibelgesättigt oder mutig sich die EKD-Vertreter aus den evangelischen Landeskirchen bis hierher gezeigt haben. Jedenfalls in ihren Ergebnissen. Vor allem aber schmerzen die uninspirierten Denkmuster, die nunmehr die Selbstsäkularisierung des kirchlichen Apparates juristisch zementieren, in dem man der Genderideologie und ihrer Geschlechterveruneindeutigung fröhlich huldigt. Und das in Zeiten, in denen die Bindungsforschung die praktischen Folgen dieser Vielfalt für die nächste Generation längst in signalroten Lettern publiziert.

Auf, ihr Bayern,  Sachsen, Württemberger

Welche Zukunft hat eine Kirche, die sich als „Kirche der Freiheit“ selbst so auslegt, dass das Wort Gottes kirchenrechtlich gebeugt wird? Und welchen Weg werden Christen einschlagen, für die hier die Schmerzgrenze unbiblischer Positionierung definitiv überschritten wird? In die Freikirche überwechseln, oder katholisch werden?
Was Not tut angesichts der ersichtlichen Deformation, ist die reformatorische Bereitschaft zur Umkehr – die alte Kirche nannte dies „Buße“. Das wäre mal eine Innovation auf dem Weg zum Reformationsjubiläum! Auf, ihr Bayern, ihr Sachsen und Württemberger wenn jemand alles kann, außer Hochdeutsch, dann ihr. Laßt euch und eure Kirchen nicht schematisieren von dieser theologischen Mittelmäßigkeit zweiter Klasse. Gerade in deutschen Landen muss die modisch-ideologische Anfälligkeit  der „Hochtheologie“ wachsam im Auge behalten werden. Es gilt jetzt die Geister zu unterscheiden und so Tretminen zu entfernen, solange noch kein Gras drüber gewachsen ist. Denkt an die kommende Generation. Eine Kirche, die zu dieser Scheidung nicht mehr in der Lage ist, ist weder zukunftsfähig noch wird sie die Einheit bewahren können.

Dr. Dominik Klenk 21-11-11

Ökumene – keine Koalitionsverhandlungen

1 November 2011

„Lieber Bruder in Rom!“

Es gibt sie, die Protestanten, die Ökumene nicht mit Koalitionsverhandlungen verwechseln, die keine ökumenischen Gastgeschenke erwarten, die den Gast überfordern. Im Band „Lieber Bruder in Rom! Ein evangelischer Brief an den Papst“ hat Dominik Klenk 18 von Ihnen versammelt, die der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt die Hand entgegenstrecken und zeigen, dass Ökumene keine Einbahnstraße katholischer Vorleistungen ist. Auf Christus hin und aufeinander zu: Diese Methode formuliert Klenk in seinem Vorwort. Und die wenden die Autoren unterschiedlich an – mit bisweilen bemerkenswerten Ergebnissen. Der Theologe Werner Neuer etwa ermutigt den Papst zu einer Enzyklika über das christliche Menschenbild – Gender-Mainstreaming und Homo-Ideologie lassen ihm dies nötig erscheinen. Und der Theologe Ulrich Parzany gar fordert Benedikt XVI. auf, gegen ein Christentum ohne Christus zu kämpfen. Wörtlich schreibt er. „Ich hätte nie gedacht, dass ich als evangelischer Christ einmal den Papst bitten würde, die Evangelisation in Europa stärker voranzutreiben.“ Sicher, es bleiben Begrenzungen, etwa, wenn Günther Beckstein die Deutlichkeit seiner Kirche im Lebensschutz bemängelt, gleichzeitig aber den Ausstieg der katholischen Kirche aus der staatlichen Konfliktberatung kritisiert. Oder wenn die Theologin Astrid Eichler zwar die Schönheit des Zölibats entdeckt, aber nicht versteht, warum die katholische Kirche ihre Priester nur aus den Reihen der Zölibatäre wählt. Doch davon einmal abgesehen: Jeder der Autoren würde dem ökumenischen Imperativ zustimmen, den Robert Spaemann in seinem Nachwort mit dem Apostel formuliert: Wetteifert miteinander in der Verherrlichung Gottes! OM

 

Quelle: Die Tagespost; Samstag 8. Oktober 2011; Nummer 120; Seite 5 (Kirche aktuell)

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