Archiv für die ‘Andacht’ Kategorie

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

3 Januar 2012

Predigt zur Jahreslosung 2012

Am Neujahrsmorgen hielt ich in der Michaelskirche in Reichelsheim die Predigt zur Herrnhuter Jahreslosung 2010.

Die Predigt können Sie hier nachlesen: Aufschneider, Trauerpfützler oder Botschafter der Hoffnung?

Bildmeditation zu Karfreitag Jesus stirbt am Kreuz.

28 April 2011

Bild von Sieger Köder. Meditation von Dominik Klenk
Das Bild ist hier zu sehen

Der Weg ans Kreuz

Jesus hat sein Kreuz auf den Berg vor der Stadt getragen: nach Golgatha.
Er wurde gegeißelt und bespuckt, verhöhnt und geschlagen.
Immer wieder ist er unterwegs zusammengebrochen.

In seine Handflächen und durch seine Füße wurden die Nägel ins schwere Holz getrieben. Er wird gekreuzigt wie ein Schwerverbrecher.

Und mitten hinein in dieses grausame Geschehen ruft Jesus:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ (Lukas 23,34)

Und zur sechsten Stunde bricht eine Finsternis über das Land hinein. Und sie dauert bis zur neunten Stunde. Drei Stunden ringt Jesus mit dem Tode am Kreuz – und mit dem Vertrauen zum Vater. Und zur neunten Stunde ohne Kraft für einen weiteren Gedanken und überwältigt vom Schmerz der Folter ruft er:
„Eloi, Eloi, lemá Sabachthani“. Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,34)

Und wenig später spricht Jesus – den nahenden Tod vor Augen – seine letzten Worte:
„Es ist vollbracht.“ (Joh. 19,30) „Tetelestai“.

Er neigte das Haupt, gibt seinen Geist auf und stirbt.
Der Vorhang des Tempels zerreißt entzwei.

Der zerrissene Vorhang

Sieger Köder hat eben diesen zerrissenen Vorhang zum Thema seines Bildes gemacht. Schon zur Zeit des umherziehenden Gottesvolkes hatte der Vorhang im Zelt des Hohenpriesters eine besondere Bedeutung. Ebenso wie später im jüdischen Tempel der hier gemeint ist.

Denn im alten Bund hatte das Volk keinen Zugang zu Gott. Nur der Hohepriester durfte ein Mal im Jahr hinter den Vorhang zum Allerheiligsten der Bundeslade und zu den Bundestafeln, um dort mit tierischem Opferblut um die Vergebung für die Vergehen des Volkes zu bitten.

Christus ist gekommen, um den alten Bund aufzuheben und den Weg zum Gott dem Vater für uns alle freizumachen: Er hat mit seinem Opfertod und mit seinem Blut die ewige Erlösung für uns gewirkt.

Der zerrisse Vorhang weist auf den Durchbruch zum Vater hin und auf den Einen, der uns von nun an alles ist, der alle alten Kulte aufhebt und den neuen Bund besiegelt: Der gekreuzigte Jesus von Nazareth.

Sieger Köder nimmt die Schärpen des zerrissenen Vorhangs als seitliche Umrahmung des Bildes: Rechts und links zwei Landschaften. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus der Weg.
Oder: die Schärpen des Vorhangs als der Rahmen eines Durchgangs ins noch dunkle Neue. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus, die Tür.
Oder: die Schärpen des Vorhangs als zwei voneinander getrennte Welten. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus, die Brücke.

Jesus steht in den Rissen unseres Lebens

Jesus Christus ist der Weg. Er ist die Tür. Er ist die Brücke. Er steht ein für uns in den Rissen unseres Lebens:

  1. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss zwischen dem Vater im Himmel und uns. Zwischen Gott und mir. Er ist die Brücke zum Vater. Er hat die Tür zum ewigen Erbe für uns geöffnet. Halleluja!
  2. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss unserer Familien und unserer Geschichte. Johannes, Maria und Maria von Magdala stehen nah bei ihm: „Johannes, dies ist nun Deine Mutter“, spricht Jesus zu dem Jünger, den er liebte. Er stiftet die neue Familie in Christus.
  3. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss seiner Kirche. Wir leiden am Zustand unserer eigenen Kirche. Und wir leiden auch an der Trennung der Konfessionen. Könnten wir nicht einfach das „bessere Ende“ wählen und auf die andere Seite konvertieren? Wir werden so den Riss nicht kitten können. Aber wir können Christus als den Weg begreifen, um auf ihn hin zu leben und uns nach einer Ökumene ausstrecken, die über die verfasste Kirche hinausragt. Er überbrückt uns in unserem Leiden – auf ihn hin leben heißt, zu der einen Herde des einen Hirten zusammenwachsen (Joh. 10,16).
  4. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss zwischen Arm und Reich. Er überbrückt die Kluft zwischen den Welten in dieser Welt. Könnten wir nicht einfach arm leben, um den Makel des Reichtums abzuschütteln? Oder sollten wir nicht unbedingt reich werden, um den Makel der Armut hinter uns zu lassen? Beide Bewegungen werden den Riss nicht heilen. Jesus steht ein in den Riss zwischen Arm und Reich. Er teilt sich aus an alle Menschen. Wer ihm nachfolgt, der kann mit ihm das Teilen lernen.
  5. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss meines Lebens. Er steht im Riss meiner Gebrochenheit und meiner Krankheit. Er steht ein für mich in den Brüchen und Rissen meines Lebens.

An Karfreitag stehen wir am Wendepunkt des Menschengeschlechts. Und diese mächtige Wende verdichtet sich in dem einen letzten gesprochenen Satz von Jesus Christus: „Es ist vollbracht.“ Sein letztes Wort markiert die tiefste Stelle der Menschengeschichte und wird zum Fundament für ein neues und erlöstes Leben.
Es ist vollbracht“ – das heißt: wir haben nichts mehr zu verlieren, was nicht schon in Christus gewonnen ist. Und sein Sieg über Sünde und Tod wird am Ende der Weltzeit in seiner Wiederkunft umfassend geltend gemacht.

Karfreitag, das ist das Hineinsterben unseres Herrn in ein befreites Leben für uns alle.
Durch seine Wunden sind wir geheilt. Und durch seinen Tod haben wir das Leben.

Passionsandacht – Kinder des Lichts

3 April 2010

Vierter Teil

Er sprach im Anfang:
Es werde Licht.
Er rief alles ins Leben.
Er beruft uns – heute.

Trotz unserer Verunsicherung
und in unsere Verunsicherung hinein.

Das Dorngestrüb
unseres Lebens ist für ihn
kein Hindernis.

Er ist das Licht auf unserem Weg.
Er kennt unsere Finsternisse.
Unsere Selbstversorgung.
Unser Abgeschnittensein.
Unsere unerfüllten Sehnsüchte
und unseren Richtgeist.

Er kennt unsere Dunkelheiten
und er weiß,
was uns im Dunkel hält.
Er kennt das Dämmergrau
der Bildschirme
und die Gier in unseren Augenwinkeln,
die wir sättigen wollen,
weil wir nicht genug Liebe bekamen,
als wir klein waren.

Jetzt sind wir groß
und jetzt kennen wir ihn
und jetzt spricht er laut und klar:
Ich bin das Licht der Welt.

Und er wirbt heute
um Dich
und um mich.
Denn seine Hoffnung lebt
auch in uns.
Und er spricht:
Ihr seid das Licht der Welt.
Denn er ist in uns!
Und wir sind in ihm?!

Kinder des Lichtes
das sind wir.

Erleuchtete Augen
des Herzens
schenke er uns,
damit wir glauben
und leben
und lieben
wie die Kinder
des Lichts.

 

Passionsandacht – Licht ist Person geworden

2 April 2010

Dritter Teil

Eine Frau.
Eine schöne Frau wohnt in ihr.
Aber sie hat wenig Liebe bekommen,
als sie klein war.
Jetzt ist sie groß.
Groß genug,
um sich selbst zu versorgen.
Darum hat sie sich Liebe genommen.

Ertappt wurde sie.
Ergriffen
von denen, die das Gesetz vertraten.

Beschämt und zittrig, ihre Scham kaum bedeckt
wird sie vorangezerrt von den Männern,
die sie töten wollen.
„Hure. Abschaum. Abgrund – Du. Steinigt sie.“

Die Meute hält an.
Da steht ein Mann.
Der sieht sie an.
Er kennt ihre Schuld.
Und er bückt sich nieder
und er schreibt in den Sand.
Und er richtet sich auf
und er entzündet das Licht
-am helllichten Tag–
indem er spricht:
„Wer unter euch ohne Sünde ist,
der werfe den ersten Stein.“

Und die Menge verstummt
und die Steine
fallen kraftlos zu Boden
und die Meute dreht ab
und die Frau lebt auf.
Und der Mann spricht mit ihr
Worte des Lichts.

Und es wird hell in ihr
und ihr Herz ist gesättigt von Liebe
und Dankbarkeit breitet sich aus.

Und er?
Er geht zu den Freunden und spricht:
„Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt
wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern er wird das Licht des Lebens haben.“

Licht – Licht ist Leben
Person geworden.
Er ist das Licht.
Wer ihm nachfolgt
lebt das Licht
und das Licht lebt in ihm.

 

Passionsandacht – Licht ist Orientierung

1 April 2010

Zweiter Teil

Tief in Ägypten – ein Mann
am Rande der Wüste.
Ein Mann mit einer durchwachsenen Geschichte.
Ein Mann – verunsichert in seiner Identität
-halb Ägypter, halb Hebräer.
Mose ist sein Name.
Er, der verunsicherte
mit der durchwachsenen Geschichte,
steht vor einem dornig verwachsenen Strauch.

Bewegung zeigt sich am Busch.
Flammen umzüngeln die Dornen,
ja er lodert.
Eine Flamme – der Busch – mannshoch.
Eine Fackel. Ein Licht.
„Ich bin der ich bin“
–sagt Gott zu Mose am Dornbusch.

Jetzt ist der Mann ein Mann
mit einem Auftrag:
Er soll das Volk sammeln
und hinausführen aus der Gefangenschaft.
Eine Feuersäule wird sie führen
beim Marsch in die Freiheit zur Nacht.

Licht – Licht ist Orientierung.

 

Passionsandacht: Es werde Licht

31 März 2010

[Update: 6. April 2010] Ich hatte nun den Impuls, die Andachten noch mal richtig zu überarbeiten und in einen Sprechrhythmus zu setzen.
Wohl sehr spät, aber eben doch…

Die kommenden Tage werden hier vier Impulse aus einer Passionsandacht zu lesen sein, die ich vor kurzem gehalten habe.

Erster Teil – Licht ist leben

Im Anfang schuf Gott
Himmel und Erde.
Die Erde aber war wüst und leer
und es lag Finsternis auf der Tiefe.
Und Gott sprach:
Es werde Licht und es ward Licht.

Und von dort aus
breitete es sich aus
und rief mit Gott zusammen ins Leben
alles was da wurde.

Alle Pflanzen und alles Grün
begann zu sprießen,
alle Blumen reckten ihre Köpfe nach dem Licht.
Alle Tiere schliefen oder wachten
mit dem Rhythmus des Lichtes.
Ja selbst die Gezeiten des Meeres richteten sich
nach dem Licht.

Wie am ersten Schöpfungstag
wird jeden Tag das
Licht von der Finsternis geschieden.
Das ist das Wunder jeden neuen Tages.

Licht – Licht ist Leben.

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