Bildmeditation zu Karfreitag Jesus stirbt am Kreuz.

28. April 2011 von Dominik Klenk Kommentieren »

Bild von Sieger Köder. Meditation von Dominik Klenk
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Der Weg ans Kreuz

Jesus hat sein Kreuz auf den Berg vor der Stadt getragen: nach Golgatha.
Er wurde gegeißelt und bespuckt, verhöhnt und geschlagen.
Immer wieder ist er unterwegs zusammengebrochen.

In seine Handflächen und durch seine Füße wurden die Nägel ins schwere Holz getrieben. Er wird gekreuzigt wie ein Schwerverbrecher.

Und mitten hinein in dieses grausame Geschehen ruft Jesus:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ (Lukas 23,34)

Und zur sechsten Stunde bricht eine Finsternis über das Land hinein. Und sie dauert bis zur neunten Stunde. Drei Stunden ringt Jesus mit dem Tode am Kreuz – und mit dem Vertrauen zum Vater. Und zur neunten Stunde ohne Kraft für einen weiteren Gedanken und überwältigt vom Schmerz der Folter ruft er:
„Eloi, Eloi, lemá Sabachthani“. Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Markus 15,34)

Und wenig später spricht Jesus – den nahenden Tod vor Augen – seine letzten Worte:
„Es ist vollbracht.“ (Joh. 19,30) „Tetelestai“.

Er neigte das Haupt, gibt seinen Geist auf und stirbt.
Der Vorhang des Tempels zerreißt entzwei.

Der zerrissene Vorhang

Sieger Köder hat eben diesen zerrissenen Vorhang zum Thema seines Bildes gemacht. Schon zur Zeit des umherziehenden Gottesvolkes hatte der Vorhang im Zelt des Hohenpriesters eine besondere Bedeutung. Ebenso wie später im jüdischen Tempel der hier gemeint ist.

Denn im alten Bund hatte das Volk keinen Zugang zu Gott. Nur der Hohepriester durfte ein Mal im Jahr hinter den Vorhang zum Allerheiligsten der Bundeslade und zu den Bundestafeln, um dort mit tierischem Opferblut um die Vergebung für die Vergehen des Volkes zu bitten.

Christus ist gekommen, um den alten Bund aufzuheben und den Weg zum Gott dem Vater für uns alle freizumachen: Er hat mit seinem Opfertod und mit seinem Blut die ewige Erlösung für uns gewirkt.

Der zerrisse Vorhang weist auf den Durchbruch zum Vater hin und auf den Einen, der uns von nun an alles ist, der alle alten Kulte aufhebt und den neuen Bund besiegelt: Der gekreuzigte Jesus von Nazareth.

Sieger Köder nimmt die Schärpen des zerrissenen Vorhangs als seitliche Umrahmung des Bildes: Rechts und links zwei Landschaften. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus der Weg.
Oder: die Schärpen des Vorhangs als der Rahmen eines Durchgangs ins noch dunkle Neue. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus, die Tür.
Oder: die Schärpen des Vorhangs als zwei voneinander getrennte Welten. In der Mitte der Gekreuzigte. Christus, die Brücke.

Jesus steht in den Rissen unseres Lebens

Jesus Christus ist der Weg. Er ist die Tür. Er ist die Brücke. Er steht ein für uns in den Rissen unseres Lebens:

  1. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss zwischen dem Vater im Himmel und uns. Zwischen Gott und mir. Er ist die Brücke zum Vater. Er hat die Tür zum ewigen Erbe für uns geöffnet. Halleluja!
  2. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss unserer Familien und unserer Geschichte. Johannes, Maria und Maria von Magdala stehen nah bei ihm: „Johannes, dies ist nun Deine Mutter“, spricht Jesus zu dem Jünger, den er liebte. Er stiftet die neue Familie in Christus.
  3. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss seiner Kirche. Wir leiden am Zustand unserer eigenen Kirche. Und wir leiden auch an der Trennung der Konfessionen. Könnten wir nicht einfach das „bessere Ende“ wählen und auf die andere Seite konvertieren? Wir werden so den Riss nicht kitten können. Aber wir können Christus als den Weg begreifen, um auf ihn hin zu leben und uns nach einer Ökumene ausstrecken, die über die verfasste Kirche hinausragt. Er überbrückt uns in unserem Leiden – auf ihn hin leben heißt, zu der einen Herde des einen Hirten zusammenwachsen (Joh. 10,16).
  4. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss zwischen Arm und Reich. Er überbrückt die Kluft zwischen den Welten in dieser Welt. Könnten wir nicht einfach arm leben, um den Makel des Reichtums abzuschütteln? Oder sollten wir nicht unbedingt reich werden, um den Makel der Armut hinter uns zu lassen? Beide Bewegungen werden den Riss nicht heilen. Jesus steht ein in den Riss zwischen Arm und Reich. Er teilt sich aus an alle Menschen. Wer ihm nachfolgt, der kann mit ihm das Teilen lernen.
  5. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
    Er steht im Riss meines Lebens. Er steht im Riss meiner Gebrochenheit und meiner Krankheit. Er steht ein für mich in den Brüchen und Rissen meines Lebens.

An Karfreitag stehen wir am Wendepunkt des Menschengeschlechts. Und diese mächtige Wende verdichtet sich in dem einen letzten gesprochenen Satz von Jesus Christus: „Es ist vollbracht.“ Sein letztes Wort markiert die tiefste Stelle der Menschengeschichte und wird zum Fundament für ein neues und erlöstes Leben.
Es ist vollbracht“ – das heißt: wir haben nichts mehr zu verlieren, was nicht schon in Christus gewonnen ist. Und sein Sieg über Sünde und Tod wird am Ende der Weltzeit in seiner Wiederkunft umfassend geltend gemacht.

Karfreitag, das ist das Hineinsterben unseres Herrn in ein befreites Leben für uns alle.
Durch seine Wunden sind wir geheilt. Und durch seinen Tod haben wir das Leben.

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