Besser schwul als katholisch?

15. November 2010 von Dominik Klenk Kommentieren »

Die vertane Chance der EKD, das evangelische Pfarrhaus als Ort der Klarheit und der Orientierung zurück zu gewinnen

Die EKD hat eine große Chance vertan. Bei der Verabschiedung des neuen Pfarrerdienstrechts auf der jüngsten Synode hätte sie sich als mutig und lernfähig erweisen können. Dazu gab die Bestimmung über „Ehe und Familie“ im Pfarrerdienstrecht Anlass. Dahinter verbirgt sich die Frage, ob auch Menschen in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft ins Pfarramt berufen werden können. In der Praxis ist das in den letzten zehn Jahren häufig geschehen. Einzelne Landeskirchen hatten das beschlossen oder einfach nur weggesehen. Die Synode in Hannover hätte die Chance gehabt, diese wesentliche Frage einer Klärung zuzuführen. Stattdessen hat sie das evangelische Pfarrhaus der moralischen Demontage preisgegeben.

  1. Neben der „Ehe“ wird der nebulöse Begriff „familiäres Zusammenleben“ eingeführt und erklärt. Das Pfarrhaus wird damit offiziell für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften im Amt geöffnet. Das jüdisch-christliche Verständnis von Familie wird aufgebrochen.
  2. Maßgebend für dieses Zusammenleben seien „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung“. Wie blind darf eine Kirchenleitung sein? Empirische Forschungen belegen eindeutig, dass Sex mit wechselnden Partnern außerhalb der festen Beziehung einer der hervorstechenden Unterschiede zwischen männlichen homosexuellen und heterosexuellen Partnerschaften ist. Durch dieses Faktum wird nicht nur die eigene Maßgabe karikiert, sondern faktisch die Loslösung von Amtsführung und Lebensführung im Pfarrhaus in Kauf genommen.
  3. Im selben Paragraphen über die Billigung „familiären Zusammenlebens“ heißt es weiter: „Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein“. Mit anderen Worten: Besser schwul als katholisch. Das Pfarrerdienstrecht ist eine Zumutung an die Ökumene.
  4. Diese Neuausrichtung riskiert sehenden Auges eine Kirchenspaltung. Hat man nicht erkannt, wie die Anglikanische Kirche in den vergangenen Jahren an dieser Frage zerbrochen ist? Nimmt man nicht wahr, wie der Lutherische Weltbund mit weichen Knien seinen Zerriss vor Augen sieht?
  5. Am schlimmsten aber ist, dass die Schriftfrage ausgeklammert bleibt. Noch vor 15 Jahren formulierte die EKD: „Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil.“ Diese klare Erkenntnis hat sich alsbald verunklart. Die Billigung der eingeschlichenen Praxis wird durch Verbiegung oder Ausblendung der biblischen Lehre und der Bekenntnisschriften in Kauf genommen.

Nun rutscht der Prozess in die Gliedkirchen weiter. Die Chance zu einer notwendigen Re-Formation wird neu eröffnet. Wird sie genutzt, kann die Kirche ihre Glaubwürdigkeit erneuern. 2007 hat die EKD eine Reformdekade ausgerufen. Die „Kirche der Freiheit“ möchte 12 Leuchtfeuer entzünden, um sich zu erneuern und zum 500. Jahrestag von Luthers Anschlag der 95 Thesen gerüstet zu sein. Die Reform des Pfarrerdienstrechtes ist ein Zündeln im eigenen Pfarrhaus. Wenn die Kirche der Freiheit sich als Kirche fahrlässiger Beliebigkeit entpuppt, wird sie eine Kirche ohne Volk sein.

Gastkommentar in IdeaSpektrum 46/2010, S. 3

Das neue Pfarrerdienstrecht der EKD ist eine Demontage des evangelischen Pfarrhauses.
Wie kann dem begegnet werden? Wie kann das einzelne Kirchenmitglied aktiv werden?

Vier Vorschläge um konstruktive Signale zu setzen:

Der Weg der Hoffnungsvollen: Aufstehen!
Gebt euren Synaodalen in den Landeskirchen ein glasklares Signal vor der Abstimmung in den Synoden.
Informiert euch über ihre Namen und die Termine. Macht deutlich, was ihr von dieser Demontage des evangelischen Pfarrhauses haltet.

Der Weg der Demütigen: Niederknien!
Übernehmt einen Gebetsdienst in eurer Kirche. Bittet Gott um Erbarmen für die Verblendung in der eigenen Kirche. Betet für die Entscheidungsträger in den Landessynoden.

Der Weg der Kreativen: Querdenken!
Bringt eine Welle in Bewegung. Zeigt, dass wir viele sind. Macht klar, was Protestanten sind: Wir stehen auf biblisch-reformatorischem Boden und für die Klarheit von Ehe und Familie. Das Pfarrhaus ist kein Freudenhaus. Findet die richtigen Slogans, bildet originelle Gruppen, vernetzt Euch. Ihr wisst selber, wie das heute am besten geht.

Der Weg der Zornigen: Austreten!
Auch das kann ein konstruktives Signal im Prozess sein. Wenigstens temporär. Man muss der Institution zeigen, wo die Schmerzgrenze überschritten ist. Dieses Signal wird ganz sicher im Kirchenamt wahrgenommen.

Das neue Pfarrerdienstrecht der EKD finden Sie hier »

28 Kommentare

  1. Bernhard sagt:

    Hammerkommentar! Bin katholisch und fühle mich abgestoßen von der liberalen Anbiederung der EKD an die Welt. Das letzte Kirchenlied, das diese bibelverratenden Gummitheologen kennen, lautet: Halleluja, wir sind auch dabei! Sie lassen wirklich keine Gelegenheit aus, um vor der politischen Correctness im Staub und dem Zeitgeist in den Arsch zu kriechen. Mit Euch sollen wir Ökumene machen? Vergesst es!

    • PLM sagt:

      Lieber Herr Bernhard,
      seien sich sicher:
      Mit solchen “Katholiken” wollen wir gar keine Ökumene machen!

      Herzlichst, Gott befohlen,

      PLM

  2. G. Kohl sagt:

    Hallo Herr Klenk,
    Reichelsheim ist ein schöner Wohnort – ich war vor einigen Jahren “immer mal” gerne dort, um den Büroleiter am früheren Amt für Landwirtschaft zu vertreten… (Ich kam aus dem seit gestern weltberühmten Heppenheim) ;-))

    Vorab – ich bin also ein bemühter Beamter – und ein “bemühter Christ” – der leider immer noch FEHLER begeht – und das leider nicht zu knapp… Das meiste allerdings im “blinden Eifer” – der bekanntlich nur schadet.. Und – Wie Paulus schreibt – das Gute lasse ich – und na ja…

    Aber was ich früh genug “kapiert” hatte war, dass mein Freund – mein Freund sein darf – aber “mehr nicht”.

    “Was würde Jesus tun/raten/sagen/entscheiden” ist eine Frage, die ich mir oft stelle – und gerade zu diesem Thema gibt es einige “gut gemeinte” und auch nicht missverständliche Passagen in den Büchern des AT und des NT.

    Petrus 2:22 bringt es allerdings auf den Punkt: “Die gewaschene Sau wälzt sich wieder im Dreck”. Das klingt hart – trifft aber nicht nur “hier” viele Menschen, die die Gnade Gottes “mit Füßen treten”….

    Die “Unbelehrbaren” brauchen wohl erst ihr “Damaskus”, damit sie – wie der verlorene Sohn vielleicht, “umkehren” können. „Es ist zwar „Alles“ erlaubt – aber nicht alles nützt!“
    Einer meiner Freunde, der wiederum in einer “männlichen Partnerschaft” lebt und mit dem ich viele Jahre lang gemeinsame 14-tägig Bibelabende abgehalten habe, sagte “Achselzuckend” – “Ich habe “das” Gott übergeben – ich kann und will nicht anders”… Nach ca. 10 Jahren kam er dann nicht mehr zu den Treffen… Es herrscht leider „Funkstille“ zwischen uns. Allerdings sein Freund meldet sich hin und wieder… Aber 10 Jahre lang hatte ich doch “menschliche” Geduld und wollte von mir aus “ihn nicht im Stich lassen”… Ob es “irgendwann” genützt hat ? Ich hoffe und bete weiter FÜR ihn…

    Nur – eines sollten wir “kleinen Menschlein” doch beachten: “Gott lässt nicht Spott mit sich treiben – denn, was ein Mensch säht, das wird er auch ernten!” das ist kein Auszug aus einem Märchen – das ist Gottes Aussage – dem Paulus in die Feder diktiert (Gal. 6:7, siehe auch 2. Petrus 3:3) und da steht auch was zu bei 1. Kor. 6:9, Römer 1:27 (wo auch gleich was zu “Strafe” und “am eigenen Leib” steht.., Offb. 22:15 und viele andere Stellen, die man zwar “blind” überlesen kann – wenn man das will, die aber meiner Ansicht nach Gott beim “Leviten lesen” nur mit viel Gnade übergehen kann… Aber Gnade wird entweder gewährt oder nicht – ein Recht hat man nicht darauf…

    Am letzten Mittwoch hatten wir am “Bibelabend” eine höchst interessante Betrachtung: “Wann ist ein Mensch an der ´Reihe´, so dass er die göttliche Gnade ohne Hinterlist, ehrlich wie ein Kind, annehmen kann und will?”
    Wir sprachen dazu über Aussagen bei
    Apg. 13: 48; Röm. 8: 28; Röm. 9:12 und 1. Kor. 15: 22.

    Am Besten nimmt man dazu allerdings die “Greber-Bibel” von Johannes Greber – der ein paar Kilometer von meinem jetzigen Wohnort als katholischer Priester gelebt hat. (einfach mal googeln)
    “An der Reihe sein”… INTERESSANT.
    “Den Jakob habe ich geliebt…” sagt Gott – um Kain, Esau und manch Anderen kümmert(e) er sich auch scheinbar heute nicht – warum auch immer. Gott ist uns Menschen keine Rechtfertigung für sein Tun und Lassen schuldig.

    Nur tut mir Leid, dass “schwule Priester” und “GesinnungsgenossenInnen” bei schwachen “Herzchen” den Eindruck von Normalität für das “außerhalb der göttlichen Ordnung geschehende” erwecken… und alle Warnung der Bibel hierzu ignorieren, z.B. “Lukas 1:1 Die Verführungen zur Abkehr von Gott kann man nicht aus der Welt schaffen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. 2 Es wäre besser für ihn, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer versenkt würde, als dass er auch nur einem von diesen arglosen Leuten Anlass zu einer solchen Sünde gäbe.”
    Nun denn… Wer im Glashaus sitzt… Wer „anders“ Fehler begeht – ist eben auch nicht „Fehlerfrei“…
    Aber ich kann nicht “gut heißen”, was vor Gott nicht gut zu sein scheint… wie können das Andere? Und dann noch so genannte „Theologen“????

    Ich bitte Gott für Mich und Andere um Erkenntnis, was “gut” oder “nicht gut” ist – das alte Problem der Schlange lässt und lässt nicht locker …
    “sollte Gott wirklich gesagt haben, dass Du das und dies nicht darfst…”
    Gott sei mit Dir – und dem geneigten Leser!

  3. Müllersvieh sagt:

    Was soll aus uns werden?!

    Wo sollen sie noch gedeihen, unsere kreativen Neurosen, aufschlussreichen Fehlleistungen, unsere Empörung, unsere Rebellion, unser Alleshinterfragen und Nichtsgeltenlassen?
    Was soll nun unserer Schwermut Gravität und unserem Eifer Feuer geben?
    Was wird aus uns geratenen und ungeratenen Pfarrerskindern – aus all den Forsters und Fröbels, Gryphiussen und Lessings, Händels und Herders, Nietzsches und Brehms, aus all den Brontes, Ensslins, Merkels, den Bodelschwinghs und Dürrenmatts und -, wenn der pater familiaris entmachtet und niemand da ist, der noch erkennbar, erleidbar, erprobbar, entehrbar und beerbbar ist?
    Woran soll sich unser Geist schärfen und wir unsere Krallen wetzen, wenn die Vorschriften stumpf und die Nachsätze glatt werden?

    WIr protestieren!
    Schrumpft nicht den (Maß)Stab, den wir über unseren Vätern (und Mütter) pastores brechen, auf eure Lilliputgröße!
    Verkleistert nicht die Splitter der Haustafel, die uns als Stachel im Fleisch die falsche Ruhe und philiströse Illusion rauben, Friede und Freude ließen sich in die Pfanne hauen wie ein Omelett!
    Verfugt nicht die Hohlräume der Doppelmoral, in die wir grimmig Dynamit stopfen, mit Billiggnade.
    Bettet uns nicht auf euren faulen Frieden und schielt uns zuliebe den Haussegen, um Himmels willen, nicht gerade!

    Wir haben im und am Pfarrhaus gelebt und gelitten, sind daran gewachsen und oft genug verzweifelt. Besser als alle wissen wir, dass es nie ein Hort der Unschuld war. Aber immerhin: ein Ort, an dem man Schuld noch benennen, noch bekennen kann – und sei es in Form von Protest!

    Ohne diese Option der Klärung verkommt das Pfarrhaus zum Unort. Und wir – wir bleiben womöglich ungezeugt.

  4. Wir sind doch heute liberal. Verstehen, zulassen,, verzeihen. Manches wird heute als zeitgemäß gehandelt. Auch unter Christen.
    Gespräch:
    „Glaubst Du an die Auferstehung?“
    „Natürlich.“
    „Wieso natürlich?“
    „Es steht in der Bibel. Das ist wie ein Versprechen Gottes.“
    „Es steht aber auch in der Bibel: Du sollst nicht ehebrechen.“
    „Na ja, das passiert heute schon mal. So eng darf man das heute nicht mehr sehen.“
    „Es steht auch geschrieben: Gott sagt ich hasse Ehescheidung.“
    „Wie gesagt. Manches passt nicht mehr in unsere Zeit!“
    „Und was ist mit einer gleichgeschlechtlichen Beziehung?“
    „Das sehen wir doch heute auch liberaler. Viel liberaler. Darüber steht auch nur wenig in der Bibel.“
    „Aber es steht: Der Herr sagt: Das ist mir ein Gräuel!“
    „Das galt für die damalige Zeit. Das musst du historisch sehen. Heute sind wir liberaler.“
    „Glaubst du an die Auferstehung?“
    „Das hast du schon mal gefragt. Natürlich. Ich zweifle nicht an Gottes Aussage.“
    „Und was ist mit den anderen Dingen, über die wir gesprochen haben? Sollten wir die Verlässlichkeit der Aussagen in der Bibel nicht auch in denen hinnehmen? Oder ist Gottes Wille an Synodalbeschlüsse einer Landeskirche gebunden?“
    An der Stelle wendete sich der Gesprächspartner unwillig von mir. Leider kamen wir so nicht zur Klärung der Frage, ob Gott von uns abhängig ist.

  5. Maschenka sagt:

    Danke für den Mut zu solch klaren Worten angesichts des Wortnebels, der in meiner Kirche produziert wird. Es braucht Mut, dagegen aufzustehen, denn auf der geistlichen Ebene sitzt derjenige hinter der Nebelmaschine, der die scheinbar fromme Frage stellt “Sollte Gott gesagt haben?” und sie auch gleich beantwortet. In seinem Sinn.

    Gottes Wort redet eine andere, klare Sprache, so z.B. ganz passend der heutige Lehrtext: “Die Welt vergeht mit ihrem Begehren; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.” 1.Johannes 2,17

    Morgen ist Buß- und Bettag. Eine gute Gelegenheit, in den Kirchen gegen das Zündeln im eigenen Pfarrhaus anzubeten. Und dafür, dass noch mehr mutige Menschen aufstehen und wie das Kind im Märchen die einfache Wahrheit aussprechen: “Aber der Kaiser ist doch nackt!”

  6. Maschenka sagt:

    Ich lese grade das aktuelle idea-Interview mit EKD-Präses Schneider, und finde folgende Aussage: “Ich persönlich bin überzeugt, dass eine gleichgeschlechtliche Orientierung eine Schöpfungsvariante ist.” Na dann wundert einen nichts mehr…

  7. BesorgterChrist sagt:

    Das Übel geht noch viel tiefer: Ehescheidung!
    Es sollte gleichzeitig eine Aktion gegen Ehescheidung im Pfarramt und auch bei Gemeindegliedern geben.
    Hier liegt das wahre Übel!!!

  8. Carolus sagt:

    Wenn die Pille ein „Geschenk Gottes“ und Homosexualität eine „Schöpfungsvariante“ ist, muss man wohl davon ausgehen, dass der liebe Gott Europa aussterben lassen möchte. So wird es aber wohl nicht sein. Ich hoffe, dieser politkorrekte Wahnsinn steckt nicht auch noch die katholische Kirche an.

  9. Widerstand sagt:

    Wo können wir uns organisieren? Wie beginnen wir den Widerstand. Jetzt müssen wir aufstehen – gegen die Demontage der lutherischen Kirche, in der ein Martin Luther keinen Platz mehr hätte.
    Meine Frage ist ernst gemeint: Gibt es ein Sammlungsort für den Widerstand gegen diese furchtbaren Tendenzen, die uns unser Fundament nehmen?

  10. Normalo sagt:

    Als Pfarrfrau, sozialberuflich und naturwissenschaftlich involvierte Person denke ich bei solch wichtigen Grundsatz- bzw. Signalentscheidungen der EKD zum Status einer Familie im Pfarrhaus gerne ein paar Kurven weiter.
    Dabei staune ich nur noch entsetzt: Denn es geht schließlich auch um das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus. Diese Kinder werden dann im Pfarrhaus – offiziell abgesegnet von der Kirche- bei zwei Müttern oder zwei Vätern aufwachsen. Was für eine totale Schizophrenie, die sich nicht nur in unserer säkularen Gesellschaft, sondern auch in unserer EKD und ihren Gliedkirchen bei diesem Thema breit macht!:
    Da fehlen auf der einen Seite in unserem Land nicht nur hinten und vorne die Kinder, sondern es fehlen dann noch mehr als bisher auch die in Familien präsenten Väter und/oder Mütter. Und damit meine ich beide herkömmlichen Elternteile, von denen die absolute Mehrheit der Menschen auf der Welt spricht: Vater und Mutter – Mann und Frau.
    Die tragischen Langzeitfolgen für diese Kinder, wenn Väter und/oder Mütter in der Familie nicht präsent sind, belegen nun mit deutlicher Signifikanz nahezu fast alle empirischen Studien, die das untersuchen – sei es in der Drogenberatung und Suchtprophylaxe, in der Forschung über das Bindungsverhalten, im Suizidverhalten, sei es in der Bildung -siehe auch das offizielles Statement von Prof. Dr. M. Franz beim Ersten Deutschen Männerkongresses an der Uni Düsseldorf 2010: „Die vielfache Entwertung positiver männlicher Eigenschaften in der Gesellschaft hat mittlerweile zu tiefgreifenden und häufig leidvollen Identitäts- und Orientierungskrisen vieler Männer und Jungen geführt“, heißt es in der verabschiedeten Schlussresolution. „Es ist höchste Zeit, die kollektive Verleugnung dieser Problemzusammenhänge aufzubrechen.´…´“Die Bildungskatastrophe heute ist männlich… Vielfach fehlen den Söhnen in den Familien emotional präsente Väter…“ http://www.maennerkongress2010.de.

    Wie man angesichts solcher Fakten bei der EKD einstimmig dann zu dem logischen Schluss kommt, auch noch in der Kirche Familienstrukturen zu installieren und zu fördern, die diese schlimmen Langzeitfolgen für Kinder (adoptierte oder mitgebrachte) noch verstärken, ist für mich als halbwegs normal denkender Mensch und Mitglied der Ev. Kirche einfach nicht mehr nachvollziehbar.

    Entweder wird so etwas wie o.a. nicht gelesen oder man will – wie im Kommunismus vorgesehen – die Auflösung der Familie. Da sag ich nur: Gute Nacht, Kirche! Oder es findet gerade mal wieder eine Gehirnwäsche statt, die es in unserem Land von Zeit zu Zeit scheinbar regelmäßig gibt.
    Warum machen wir Deutschen es meist immer ´total´, wenn wir etwas machen? Oder verschlafen wie einst die Zukunft unserer gesunden Gesellschaft? Ist sie (die Christenheit) schon zu krank, um noch normale, gesunde Entscheidungen zu treffen?

    Außerdem: Wie heißt es in einem Lied: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“
    Wahrscheinlich die verletzten Kinder der „kinderreichen Zukunftsgeneration“!

    Ich bin entsetzt über alle evangelischen und auch katholischen Verantwortlichen im Hirtenamt, die hier einfach schweigen. Andererseits ist dieses Schweigen, wie ich finde, wiederum sehr biblisch und in Gottes Wort schon lange vorausgesagt.

  11. Es ist uns Schwestern der Kommunität Jesu Weg ein Bedürfnis uns zu rühren.

    Vor ca. 10 Tagen hat unser Landesbischof Friedrich die Kommunitäten und Gemeinschaften Bayerns in Selbitz empfangen und über Kinkerlitzchen wie reformiert oder lutherisch, wer wem zugeordnet und ä. diskutiert und unseren verbindlich lebenden Gliedern gehuldigt. Wir Schwestern finden unseren Stand und unsere Arbeit missachtet. Wir sehen, dass die EKD sich in einer doppelbödigen Moral dem Zeitgeist total huldigt. Wir fühlen, dass unsere Verkündigung, Seelsorge und Ehearbeit unterminiert ist. Wir wissen aus dem Mund unserer Regionalbischöfin und verschiedener Glieder unseres Kirchenkreises, dass diese Praktiken auch in unseren fränkischen Pfarrhäusern florieren. Aber, dass sie noch einen offiziellen Stempel der Synode bekommen, hätten wir nicht geahnt. Wir fühlen unsere Treue zum Evangelium und unsere Gelübde dem Verrat der offiziellen Kirche preisgegeben und wollen und werden nicht schweigen.

    Wir danken Ihnen für Ihr Blatt und Ihre Statements und werden sie weitergeben.
    Mit herzlichen Grüßen und einer gesegneten Adventszeit im Gebet verbunden
    i-A- meiner Schwestern
    Sr. Elisabeth Dr. Stahlschmidt
    Leiterin der Kommunität Jesu weg in Craheim

  12. Beob8er sagt:

    Beim Lesen heute Abend fühlte ich mich an den Vorgängen jüngst in der EKD erinnert:

    „Wie sollen wir z. B. in unserm persönlichen und kirchlichen Handeln jemals Gewißheit und Zuversicht erlangen, wenn wir nicht auf festem Schriftgrund stehen? Nicht unser Herz entscheidet über unsern Weg, sondern Gottes Wort. Wer aber weiß heute noch etwa rechtes über die Notwendigkeit des Schriftbeweises? Wie oft hören wir zur Begründung wichtigster Entscheidungen ungezählte Argumente „aus dem Leben“, aus der „Erfahrung“, aber der Schriftbeweis bleibt aus, und gerade er würde vielleicht in genau entgegengesetzter Richtung weisen? Daß freilich der den Schriftbeweis in Mißkredit zu bringen versuchen wird, der selbst die Schrift nicht ernstlich liest, kennt und durchforscht, ist nicht zu verwundern. Wer aber nicht lernen will, selbständig mit der Schrift umzugehen, der ist kein evangelischer Christ.“

    Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, S. 45.

  13. Liebe OJC-Familie,
    im bei Euch abgedruckten Leserbrief vom 22.11. wird gefragt, warum sich viele evangelische und katholische Verantwortliche “im Hirtenamt” nicht zu den gegenwärtigen Beschlüssen äußern, Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften in evangelischen Pfarrhäusern willkommen zu heißen.

    Am Ewigkeitssonntag, 21.11., habe ich als Pfarrer der evang.-luth. Landeskirche Bayerns die jüngsten Verlautbarungen des Landesbischofs Friedrich zum Anlass genommen, folgende “Kanzelerklärung” in unserer Neuendettelsauer Ortsgemeinde St. Nikolai abzugeben, die ich hiermit gerne veröffentliche. Ich sehe mich dazu verpflichtet aufgrund meiner persönlichen Überzeugung und wegen meines lutherischen Bekenntnisses: nach Artikel 28 der “Confessio Augustana” haben wir den Befehl, dass wir dem “geistlichen Regiment” nicht gehorchen, wo es etwas gegen das Evangelium lehrt oder tut; dieser Fall ist für mich hier gegeben.

    “Kanzelerklärung (21.11.2010) zur Erklärung des Landesbischofs vom 15.11.2010 über das Zusammenleben von homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern im Pfarrhaus
    Der Landesbischof der ELKB hat vor einer Behandlung dieses Themas durch die heute Abend beginnende Landessynode mit Rückendeckung des Landeskirchenrates den Einzug homosexueller Paare in das Pfarrhaus erlaubt. Die Formulierung lautet:
    „Im Einzelfall kann der Landeskirchenrat Paaren, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, das gemeinsame Leben im Pfarrhaus gestatten, wenn es dazu eine Einmütigkeit von Kirchenvorstand, Landeskirchenrat, Dekan und Regionalbischof gibt.“

    Zwar hat unser Kirchenvorstand in seiner Septembersitzung bereits einmütig in dieser Frage Stellung bezogen und die Landessynode aufgefordert, das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare in evangelischen Pfarrhäusern weiterhin zu untersagen; für unsere Gemeinde kommt dies also nicht in Frage.
    Als auf die Heilige Schrift und das Bekenntnis der lutherischen Kirche verpflichteter Pfarrer und Hirte dieser Gemeinde erkläre ich dazu aber aus gegebenem Anlass Folgendes:
    Mit seiner Erklärung vom 15. November 2010 hat Dr. Friedrich, der Inhaber des Bischofsamts unserer Kirche, die Anträge von 2 Münchener Prodekanatssynoden auf Zulassung von Pfarrern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in persönlichem Vollmachtsanspruch aufgegriffen und mit Unterstützung des Landeskirchenrates positiv entschieden und veröffentlicht. Dies ist ein Akt unglaublicher Willkür. Wenn die von heute Abend bis Donnerstag nach Neu-Ulm einberufene Synode diesem Beschluss zustimmt, wird sie zu einem bloßen Akklamationsgremium des Landesbischofs, der sich für sein Ansinnen rechtzeitig die Unterstützung des Landeskirchenrates gesichert hat. Damit haben zwei der vier kirchenleitenden Organe (Landesbischof und Landeskirchenrat) vollendete Tatsachen geschaffen und eine ehrliche Behandlung dieser Frage durch die Synode unmöglich gemacht. Rechtmäßig müsste die Landessynode den Beschluss nach Inhalt und Form zurückweisen und der Kirchenleitung das Misstrauen aussprechen.
    Nach der Kirchenverfassung (Art. 60, 1) hat der Bischof als erstes folgende Aufgabe: „Er achtet darauf, dass das Wort Gottes schrift- und bekenntnisgemäß verkündigt wird und die Sakramente recht verwaltet werden“. Wenn aber nun der Amtsinhaber wiederholt und öffentlich im Widerspruch zum eindeutigen Zeugnis der Schrift Alten und Neuen Testaments erklärt: „Homosexualität ist keine Sünde“, dann hebt er damit das geschriebene Wort Gottes auf. Noch vor 15 Jahren formulierte die EKD: „Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen – im Gegenteil.“ Hierbei ist festzuhalten: die Bibel lehnt nicht homosexuell empfindende Menschen ab, wohl aber praktizierte Homosexualität (vgl. 1. Kor. 6,9). Die Äußerung des Bischofs („Homosexualität ist keine Sünde“) steht also im Gegensatz zur Heiligen Schrift, der damit eine über Schrift und Bekenntnis stehende Vollmacht für sich beansprucht.
    In der fortlaufenden Bibellese für den gestrigen Samstag heißt es: „Wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung (sc. der Bibel), so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht“ (Offb. 22,19). Niemand, auch kein Bischof, kann das geschriebene Wort Gottes ändern, ohne sich und der christlichen Gemeinde Schaden anzutun.

    Weil der Herr der Kirche seiner Kirche die Treue hält, bitte ich Sie:

    Treten Sie nicht aus – aber beten Sie!

    Es gilt, für unsere Kirche, ihre Diener und Gemeinden um den Geist der Wahrheit zu bitten, den unser Herr uns verheißen hat, und auf die Verheißung des Herrn für seine Kirche zu vertrauen, nach der „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen“ (Mat 16, 18).

    Singen und beten wir gemeinsam Lied 136, 1+3: „O komm, du Geist der Wahrheit“”

    Pfarrer Jürgen Singer, Neuendettelsau

    • SimonJünger sagt:

      Singen und beten wir gemeinsam Lied 136, 1+3: „O komm, du Geist der Wahrheit“”

      Ja, also ich bin auch gebürtig aus dem Dorf Neuendettelsau und bin heute froh, der evang-luth. Kirche ausgetreten zu sein. Zufällig kam ich hier vorbei, erinnere mich an diesen weltfremden Zirkus von vor einem Jahr. Heute weiß ich noch mehr als damals, dass die Welt tatsächlich echte Probleme kennt. Die Kirche natürlich nicht, denn eine Institution, die sich im Untergang befindet, kann sich ja nur mit sich selbst beschäftigen. Daher wünsche ich mir immer wieder, dass sie endlich aufhören würden, ihre Loblieder anstimmen zu wollen, die Doppelmoral sein zu lassen, den notwendigen Bewusstseinswandel mit zu gestalten und anzupacken, wo es doch so viel zu tun gibt.

  14. Norbert Kaus sagt:

    An diesen Menschen wird offenbar, was Paulus in Römer 1, 24-32 geschrieben hat.
    Die Evangelische Kirche braucht dringend eine neue Reformation. Am besten alle 500 Jahre.

  15. Rilu sagt:

    Bin ich froh, dass ich katholisch bin! Am liebsten möchte ich die ernsten evangelischen Christen auffordern: Tretet bei Euch aus und in die katholische Kirche ein. Beschäftigt Euch mit den Originaltexten des Papstes und nicht mit dem entstellenden Geschrei in der Presse. Ihr werdet sehen, wie gut, echt und wahr seine Aussagen sind.

    • tapsi sagt:

      Ich bin froh evangelisch-lutherisch zu sein (werde 2014 konfirmiert). Jeder wählt die Religion aus die er für richtig hält. Wo ich Wohne (80% evangelisch) leben wir mit einigen Katholiken (sogar meine Verwandten) gut zusammen.
      Ich finde es nur Schade die ihr katholischen uns für was schlechters hält. Evangelische haben nichts gegen Katholische. Aber es gibt ja einige die das anders sehen.
      Bitte nehmt euch meine Worte zu Herzen. Wir alle sind schließlich Christen.
      Ich bin ein Mensch der viel Wert auf ein gutes zusammenleben legt.

  16. Matthias sagt:

    Wie Ignorant sind sie alle eigentlich !!
    Haben Sie sich mal alle überlegt wie viele Schwule es in der Kirche, Bibelkreisen, Kinder und Jugendarbeit gibt!!!
    Ich hoffe das Sie es eines Tages erleben werden wie damals als es noch Strafbar war Kinder abzutreiben. Da kam der Tag als all die Frauen auf die Straße gegangen sind und viele merkten wie die Lage wirklich war.
    Ich möchte gerne mal wissen ob Sie eine Studie über Heteros und deren Lebensgewohnheiten erstellt haben?
    Aber und das muss hier auch mal gesagt werden das Geld der Schwulen, Lesben und all derer die Ihrer Sexualmoral nicht entsprechen das hätten Sie schon gerne.
    Ich empfehle Ihnen allen schauen Sie doch mal in der Freien Gemeinden oder im Bund Freier Pfingstgemeinden vorbei.
    Da gibt es Umpolungskurse für Schwule, Teufelsaustreibung und vielleicht könnten Sie bei nicht gelingen gleich den Scheiterhaufen mitbringen (kleiner Scherz).
    Wissen Sie eigentlich wie viel leid und Qual sie den Menschen an tun die Glauben und eine andere Sexualmoral wie Sie haben und hier geht es nicht um Biblische aussagen oder Vorstellungen!
    Was sagt Jesus, worin sind die Gebote erfüllt??
    Du sollst Gott lieben und…
    „Liebe Deinen nächsten wie Dich selber…“und schauen Sie mal alle in Ihre Bibel und bitte bitte nicht nur in die Luther. Schnappen Sie sich den Originaltext übersetzten Sie geben Sie sich mühe zu verstehen was Gott von uns allen will. Egal ob Hetero Homo oder sonst was.
    Auch wenn ich hier in der Minderheit bin, das waren viele vor mir in anderen belangen der Kirche auch, so habe ich meine Stimme erhoben für Gott für das Christentum für Menschen.
    Liebe Grüsse
    Matthias

  17. Karsten Sewing sagt:

    Geschockt? Naja…
    Irritiert? Nein,..
    Wunderlich? Auch nicht…
    Traurig ? Ja, schon… das bin ich… über eine Leitung, die keine (wirkliche) Leitung ist! Naja, leiten tun sie schon – aber wie und wohin und mit welchen ethischen Grundsätzen?
    Dominik Klenk ruft vier mögliche Reaktionen auf den Plan – alle habe ihre Berechtigung… da gäbe es vielleicht noch mehr… ich denke z.b. schlicht ergreifend an “weinen”! Au Backe! Zu viel Emotiion – in einer sachlich geführten Debatte? (…wenn die mal sachlich wäre ;-)
    Man verzeihe mir meine Ironie und die Prise an Zynismus. Allerdings bin ich einfach nur traurig und auch gelinde gesagt: ratlos!
    Was muß noch passieren? Wohin wird es noch gehen? Wird es in dieser Kirche jemals Tabus geben?
    Zur Zeit habe ich (noch) keine Antwort, wie ich – oder meine Familie – oder… reagieren werden. Reagieren möchte ich schon – das auf jeden Fall! Ich glaube, mir bleibt nur eine Wahl: es erst einmal vor meinen und unseren Vater zu bringen!
    Wie hat Bonheoffer mal gesagt? :” …irgendwann muß man dem Rad in die Speichen fallen” (leicht abgeändert) … Diese Aussage bekommt dadurch neue Brisanz!

  18. "Moruti" Lutz sagt:

    Ich denke, ich kann den Aufschrei der Empoerung, den ich in vielen Kommentaren hier sehe, verstehen. Als ich auf den Kirchentagen der 70/80ger Jahre erstmals Aktivisten fuer Homosexuelle in der Kirche wahrnahm, war ich auch mehr als nur leicht befremdet.

    Auch bin ich der Meinung, dass wir als Christen den Wert der Familie hochhalten, foerdern und stuetzen sollten – und das so gut wie moeglich. Ob sich das allerdings erreichen laesst, indem man Amtsbrueder und -schwestern anderer sexueller Orientierung verteuffelt, da bin ich mir denn doch nicht so sicher…

    Ich habe grade die “Steinige Geschichte” (http://www.ojc.de/index.php?id=838&rid=t_45613&mid=161&aC=d2053b4a&jumpurl=10) heruntergeladen – sehr gut gemacht, uebrigens – und frage mich: was wuerde Jesus tun? Jener Jesus, der bereit war, nicht mit Fingern auf andere zu zeigen, nicht den ersten Stein zu schmeissen…

    Ich weiss, einige werden mich jetzt kritisieren, andere mich nichtmals eines Blickes wuerdigen, dass ich so was auch nur denken kann. Aber ich moechte doch fragen:

    1) koennen wir in ethischen Fragen gar zu eindimmensional denken und vorgehen? Schoen waere es ja, wenn alles so eindeutig waere, das gebe ich ja zu. Aber mir scheint hier ein Dilemma, ein Konflikt von (mindestens) zwei ethischen Prinzipien vorzuliegen, naemlich der (klassischen christlichen) Sexualethik, einerseits; und der Ethik der Menschenrechte/Menschenwuerde, andererseits. Ich wundere mich schon manchmal, dass unter Christen hier in Suedafrika – wo doch so viel Wert darauf gelegt wird, dass niemand wegen “Rasse” oder “Geschlecht” diskriminiert wird – die Frage nch der “sexuellen Orientierung” nicht immer mit der gleichen Klarheit und Eindeutigkeit beantwortet wird. Messen wir nich doch wieder mit zwei Massstaeben?

    2) Und selbst wenn wir uns nur auf den sexualethischen Aspekt beschraenken, frage ich mich doch immer wieder: gibt es nicht wichtigere Dinge, die man anprangern soll und muss? Von Padophelie bis Vergewaltigung, von Handel mit Sex-Sklavinnen bis zum Missbrauch und der Gewalt (auch innerhalb der ach so schoenen “Hetero-Ehe”!): da kann es keine Frage sein: da muessen wir als Christen und als Kirche klar Stellung beziehen, manchmal sogar aufschreien. Aber wo sich erwachsene, muendige Menschen freiwillig (d.h. mit beider- oder allseitiger Zustimmung) auf eine sexuelle Beziehung einlassen ["mutual consent between adult partners"], frag’ ich mich doch: muss da die Kirche wirklich noch “ïhren Senf dazugeben”?

    3) Das Mass der Erregung scheint zu wachsen, je hoeher der “Suender” in der kirchlichen Hirarchie stehet: was ein einfaches Gemeindeglied macht, scheint niemand zu interessieren; beim Kirchenvorsteher ist das schon kritischer; und wehe, wenn des Pfarrers Ehe nicht vorbildlich ist! Aehnliches haben wir in der “anglican communion” [=weltweiter Zusammenschluss der anglikanischen Kirchen] erlebt: homosexuelle Priester gab es schon lange, erst als dann Gene Robinson zum Bischof geweiht werden sollte (und auch wurde), da passte es einigen dann nicht mehr. Wieder frage ich: wird da nicht mit mehrerlei Mass gemessen (und zugleich ein evangelisches Amtsverstaendniss ausser acht gelassen)?

    4) seelsorgerlich (denn Ethik ist ja schliesslich nicht alles):
    Beziehungen sind nichts leichtes. Weder fuer “normale” Ehepare, noch fuer gleichgeschlechtliche. Waere es nicht richtiger, dort anzusetzen? Unsere christliche Verantwortung darin zu sehen, dass wir Menschen begleiten, bei ihnen stehen und alles dafuer tun, dass sie (und wir!) beziehungsfaehiger, treuer, liebevoller werden – und das, ich wage es jetzt mal zu sagen, unabhaengig von der jeweiligen sexuellen Orientierung?

    Bitte glaubt mir, ich stelle diese unangenehmen Fragen nicht, weil ich irgenjemand aergern will. Ich stelle sie, weil sie mir ernsthaft am Herzen liegen und weil ich sie in der Kirche, der ich diene (ACSA = Anglican Church of South Africa) nicht allzulaut sagen darf, ohne jemandem auf die Fuesse zu treten. Vielleicht waere es am einfachsten, zu schweigen? Immerhin geht es mich ja nix an: bin glueckich verheiratet (seit 25 Jahren, vier Kinder) kenne auch keine Homo-Paare in meiner Bekanntschaft, die fuerchterlich unter Diskriminierung leiden wuerden – und schon gar nicht unter meinen Bruedern und Schwestern im Amt. Also, was solls?
    Aber als Nachfolger Christi muss ich mir die Frage stellen, wie ich denn dazu stehe. Immerhin hat unser frueherer “Arch” (Erzbischof D Tutu) sich nicht gescheut, von einer “Apartheid der Homosexualitaet” zu sprechen und Homophobie mit Rassismus zu vergleichen (siehe zB http://www.yawningbread.org/guest_2000/guw-072.htm).

    Ueber die Lage in den deutschen Landeskirchen kann und will ich nicht urteilen – dazu bin ich zu lange weg von zu Hause. Aber zumindest denke ich doch, dass eine genuin christliche Reaktion auf homosexuelle Lebensweise nicht zwangslaeufig eine ablehnende oder gar verurteilende sein muss.

    Gruesse aus waermeren Gefilden!
    Ein gesegnetes Weihnachtsfest wuenscht
    “Moruti” Lutz
    (also known as Revd. Dr Lutz Ackermann)
    (Community Priest – Christ Church Polokwane – Sued-Afrika)

  19. Ein Mahner sagt:

    Vergesst nicht zu lieben! Egal ob homo, hetero oder Synode. Es geht nämlich immer noch um Menschen, die damit vielleicht ernstlich zu kämpfen haben.

  20. Maschenka sagt:

    Antwort auf den Kommentar von “Moruti” Lutz

    Lieber “Moruti” Lutz, ich möchte gerne auf Ihre 4 Anfragen eingehen:

    1. Wenn man die christliche Sexualethik als Maßstab anlegt, verstößt man nicht gleichzeitig gegen die Ethik der Menschenwürde – im Gegenteil: es entspricht doch zutiefst der Menschenwürde, das christliche Menschenbild als Maßstab anzulegen, gemäß dem Sexualität nur zwischen einem Mann und einer Frau ihren Platz hat. Mann und Frau sind füreinander geschaffen, das drückt sich auch in ihrem Körper aus. Nicht der Mann für den Mann und nicht die Frau für die Frau. Wer dagegen Homosexualität zur Schöpfungsvariante erklärt und die Bibel in dieser Frage umdeutet, verfälscht die Bestimmung des Menschen: als Ebenbild Gottes – gemeinsam als Mann und Frau – auf Gott zu verweisen. Ich halte es eher für eine Verletzung der Menschenwürde, homosexuell empfindenden Menschen aus falsch verstandener „Toleranz“ einzureden, sie könnten durch das Ausleben homosexueller Gefühle ihre wahre Identität finden. Zum Weiterlesen empfehle ich: http://www.dijg.de/vonholdt-homos-glaube.html
    2. Die Kirche muss sich selbstverständlich einmischen, wo es um die Lebensweise von Pfarrern und Gemeindegliedern geht. Paulus hat ja auch in seinen Briefen Ermahnungen zur christlichen Lebensführung gegeben – die natürlich nur für Christen gelten. – Das DIJG hat sich übrigens in seinem letzten Bulletin ausführlich mit dem Thema Pädophilie und Missbrauch beschäftigt: http://www.dijg.de/aktuelles-bulletin.html
    3. Paulus legt z.B. an das Amt eines Bischofs höhere Maßstäbe an als an „gewöhnliche“ Gemeindeglieder, weil ein Bischof Vorbild- und Orientierungsfunktion hat. Was bei dem neuen Pfarrdienstrecht die heftigen Kritiken verursacht, ist weniger die Tatsache, dass es um Pfarrer geht, sondern dass damit das christliche Menschenbild (s.o.) auf den Kopf gestellt wird und Gottes deutliche Aussagen zur Homosexualität umgedeutet werden.
    4. Es ist erwiesen, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen weitaus instabiler als heterosexuelle sind und Treue nur in den wenigsten gelebt wird. Promiskuität ist ein wesentliches Kennzeichen von Homosexualität, wie es selbst bekennende Homosexuelle zugeben. Eine Studie von 2003 hat ergeben, dass Partnerschaften zwischen homosexuellen Männern im Durchschnitt nicht länger als 1,5 Jahre halten. Das liegt aber an der Dynamik einer homosexuellen Beziehung selbst!

    • Ingo sagt:

      “Eine Studie von 2003 hat ergeben, dass Partnerschaften zwischen homosexuellen Männern im Durchschnitt nicht länger als 1,5 Jahre halten. Das liegt aber an der Dynamik einer homosexuellen Beziehung selbst!”

      Aha. Und wieso kenne ich homosexuelle Paare die schon 10-15 Jahre zusammenleben??!?
      “Eine Studie…” Ich verlasse mich nicht auf “eine Studie”, sondern auf MEINE LebensERFAHRUNGEN. Das würde ihnen auch mal Vorurteile nehmen und ihren Geist etwas öffnen. Aber das wollen sie ja nicht, nicht wahr?!? Ihr fest zementiertes Weltbild könnte ja ins Wanken geraten. Sie könnten ja anfangen nachzudenken und reflektieren und auf die Feststellung kommen, das homosexuelle Menschen auch nur ein normales Leben mit ihren Sehnsüchten, Wünschen und Werten in Zweisamkeit leben. Aber das passt ihnen ja nicht. Dazu müssten sie sich mit etwas auseinandersetzen was in der Bibel eben NICHT so steht – das ist ihnen zu unbequem…

      ” s ist erwiesen, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen weitaus instabiler als heterosexuelle sind und Treue nur in den wenigsten gelebt wird. Promiskuität ist ein wesentliches Kennzeichen von Homosexualität, wie es selbst bekennende Homosexuelle zugeben”

      Aber natürlich doch… uneheliche Kuckukskinder, Bordelle, Abtreibungen, Strassenstrich… dafür sind natürlich auch nur Homosexuelle die verantwortlichen Schuldigen und etwa nicht der verheiratete Familienvater oder die frustrierte Ehefrau…
      nein, nein das kann ja nicht sein, da Treue ja NUR in Ehen gelebt wird und dort keine Untreue existiert… ach ja, nicht zu vergessen uneheliche Kinder von kath. Priestern, für die die kath.. Kirche Schweigegeld zahlt. natürlich sind das ja auch HOMOSEXUELLE Priester gewesen, nicht wahr?!?

      In was für einer Welt leben sie eigentlich?!?

  21. Sarathai sagt:

    @Ingo: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Gedanktengut welches die Intoleranz gegenüber homosexuellen Menschen fördert oder gar provoziert sind die Wurzel der Vorkommnisse in Minnesota, wo sich binnen weniger Jahre ein halbes Dutzend Jungen und Mädchen das Leben nahmen, weil sie in ihrer Schule aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gemobbt wurden. Wenn eine Kirche dieses Verhalten toleriert oder gar fördert, brauchen wir diese Kirche nicht mehr. Wir leben im 3. Jahrtausend, man sollte meinen die Menschen wären inzwischen schlau genug auf eine kirchlich organisierte Hexenjagd zu verzichten. Leider ist dem wohl nicht so. Ich bin zwar weder Christ noch gläubig, aber ich habe immer Pfarrer respektiert und bewundert die Menschen helfen und inspirieren können. Wie kann ihnen das möglich sein wenn sie selber von der eigenen Kirche diskriminiert werden??

    Aber vielleicht kommt dann nur der Spruch “Gott will das so.”, dann brauchen wir auch keinen Gott mehr.

    Viele Grüße aus Erbach

  22. equality sagt:

    Angesichts dieser Kommentare hier und auch der leichtfertigen und unreflektierten Gleichung von Herrn Klenk: “Homosexualität=Promiskuität=Freudenhaus im Pfarrhaus” fällt einem nichts mehr ein.

    Ich begreife immer mehr, dass all den Schreibern hier anscheinend mit dem Verstand nicht mehr beizukommen ist. Und ja, ich weiss, sie glauben ihn zu nutzen. Bitteschön.

    In ein paar Jahren werden Sie aufwachen und um Sie herum gibt es nur noch Homosexuelle, weil, ach ja! das ist ja ansteckend!! BUH!!

    Und dann?

    Klar – geht die Welt unter.

    Das Problem daran?

    Sehe ich keines: Das Reich Gottes wird anbrechen. Was kümmert Sie, wo die bösen Homos im Pfarrhaus landen?

    Oder haben Sie etwa Angst, Sie könnten sich irren, dass Sie vielleicht doch die Wahrheit nicht kennen? Dass die Wahrheit schwieriger ist, als Sie sich das vorstellen können?

    Buh – Sie erschrecken erneut.

    Vielleicht können ja sogar Heterosexuelle in der Hölle landen.

    Buh – Sie erschrecken nochmals: Gott hat Ihnen eröffnet, dass es ihm egal ist ob Sie hetero oder homo waren.

    Buh – Ihre Weltsicht bricht zusammen.

    Buh – niemand hilft Ihnen mehr.

    Buh – wie traurig.

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